F.R. - "Freiheit ist nicht alles!"
Geschrieben von: Mareen Wordoff   
Montag, 15. Dezember 2008 um 12:18

44/250 - Gesichter deutscher Rap-Kultur: Bezeichnet als die deutsche Rap-Hoffnung startete F.R. dieses Jahr durch und begeistert nicht nur Schulbankdrücker, sondern erntete auch unter Rap-Kollegen viel Applaus. Mit uns sprach der gebürtige Braunschweiger über das richtige Maß an Freiheit im Leben, über den schwierigen Kampf Kopf gegen Herz und den Soundtrack seines Lebens.

Was bedeutet dir Freiheit in Bezug auf deine Musik und dein Leben?

Für mich bedeutet Freiheit das Handeln nach eigenen Interessen. Allerdings sollte man aufpassen, dass man sich gerade durch diesen Freiheitswahn nicht irgendwann selbst beschränkt. Nehmen wir an, dass ich in den nächsten Jahren die Möglichkeit hätte nur von meiner Musik zu leben. Das wäre einerseits ein wahnsinniges Gefühl von Freiheit, andererseits aber auch ein persönliches Risiko seinen eigenen Horizont auf die Musik zu beschränken und zu stagnieren. Deshalb bedeutet abhängig von anderen Institutionen zu sein, nicht zwingend etwas Negatives sofern es einen selbst weiterbringt.

Würdest du dich als Kopfmenschen beschreiben, als jemand der eher auf seinen Verstand als auf sein Herz hört?

Damals habe ich mich tatsächlich für meinen Verstand entschieden, da ich gemerkt habe, dass es mich kaputt macht, wenn ich mich lediglich von meiner Liebe leiten lasse. In "Kopf gegen Herz" beschreibe ich das Problem keinen Kompromiss eingehen zu können - entweder du entscheidest dich für deine Gefühle und gehst irgendwann daran kaputt, oder du entscheidest dich für die Vernunft und stürzt dich damit in die Sehnsucht. Ich erwarte zwar für viele Dinge Erklärungen und wirke auf den ersten Blick eher rational, aber trotzdem bin ich nicht wirklich ein Kopfmensch, denn sonst könnte meine Musik nicht so von Emotionen geprägt sein.

Du machst nächstes Jahr dein Abitur. Viele Abiturienten fühlen sich danach ins kalte Wasser geworfen und wissen nicht, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen. Wie geht’s dir dabei?

Erstmal habe ich nach dem Abitur die Möglichkeit an meinem nächsten Album zu arbeiten. Das ich dabei parallel trotzdem in andere Richtungen gehen werde, habe ich ja in meiner vorherigen Antwort schon angedeutet. Konkrete Vorstellungen habe ich da aber noch nicht. Mal schauen was kommt. Ich lasse mich überraschen.

Du durchschreitest ja quasi vor den Augen Rap-Deutschlands die Tür vom Jugendlichen zum Erwachsenen. Denkst du, dass diese Tatsache dich positiv beeinflusst?

(schmunzelt) Es ist schon eine komische Vorstellung, dass ich persönliche Erfahrungen und Emotionen seit meinem 14. Lebensjahr auf Songs festhalte und nach Außen trage. Fakt ist aber, dass es mir seelisch sehr geholfen hat, bestimmte Dinge zu verarbeiten - unabhängig davon wie viele Leute meine Songs gehört haben oder hören. Das sich allerdings meine Hörer mit bestimmten Lyrics identifizieren können, ist ein sehr gutes Gefühl. Generell hat mich Rap menschlich weitergebracht. Vielleicht liegt vor allem auch daran, dass ich mit 18 Jahren mehr gesehen habe, als manche Menschen in ihrem gesamten Leben und dazu noch einiges an Menschenkenntnis sammeln durfte.

Stell dir vor, dein Leben wäre einen Soundtrack. Welche Songs müssten unbedingt mit drauf sein?


Eigentlich alle Songs meiner drei Alben. (lacht) Es steckt einfach in jedem Song ein Teil Entwicklung von mir. Aber wenn ich mich für einen Song von jedem Album entscheiden müsste, der meine damalige Lage beschreibt, dann wären das vielleicht: „Klartext“ (Das Mundwerk), „Im Zenit“ (Mittelweg) und "Kopf gegen Herz" (Vorsicht, Stufe!) Die Songs beschreiben wichtige Stufen meines Lebens. Sie bedeuten mir viel. Heißt aber nicht, dass mein Soundtrack zwingend Songs aus meinem Leben sein müssen.

www.eff-arr.de

NÄCHSTE WOCHE: PHREQUINCY – "SEX, DRUGS AND HIPHOP!"

 

Kommentare (4)add comment

female said:

wenn man über den nachwuchs im business nachdenkt, dann sind wir mit ihm schon ganz gut bedient.

vorallem aber live kann er überzeugen.
Dezember 18, 2008

rumpelstil said:

die singles seines letzten albums waren sehr schlecht gewählt und die videos einfach nur kacke. der junge scheint nicht gut beraten zu sein.
Dezember 18, 2008

kojoe said:

sehr nices interview, kurz aber reich an aussage.
guter junge der f.r. freu mich auf seine nächste tour, live ist er der killer
Dezember 15, 2008

flash said:

cooler junger!
Dezember 15, 2008

Kommentar schreiben
kleiner | groesser

security image
Bitte den folgenden Code eintragen


busy