Franky Kubrick - "Ying und Yang!"
Geschrieben von: Mareen Wordoff   
Montag, 24. November 2008 um 09:33

47/250 - Gesichter deutscher Rap-Kultur: Bei einem seiner zahlreichen Auftritte quer durch Deutschland, erwischten wir Franky Kubrick in Paderborn auf dem HipHop-Day. Dort plauderten wir mit ihm darüber, wie es sich anfühlt als heimatloser Rapper dort zu Hause zu sein wo das Herz ist, über Träume, für die es sich lohnt zu kämpfen und über die "Mächtigen" von VIVA und  MTV - die vielleicht sogar das Rap-Game regieren.

Franky, du bist der Dramaking: Brauchst du das Drama in deinem Leben um kreativ zu sein?

Gute Frage. (lacht) Die Leute sagen schon zu mir, dass ich jemand bin, der immer Drama um sich herum braucht. Ich hatte zum Beispiel noch nie eine Beziehung die ganz normal verlief. Irgendwie brachte alles immer viel Ärger mit sich, aber auf der anderen Seite auch viel Spaß und Leidenschaft. Ich bin einfach ein extremer Mensch. Wie Ying und Yang: Das eine kann ohne das andere nicht. (nachdenklich) Wenn ich total am Boden zerstört war, habe ich immer gemerkt, dass das Einzige, was ich jetzt noch habe, das Texte schreiben ist.

In meinen Texten habe ich immer die weniger guten Sachen verarbeitet und am Ende sind dabei schöne Songs entstanden. Mein Motto ist: Etwas Schlechtes nehmen und daraus was Positives machen. Es ist sicherlich so, dass es den künstlerischen Prozess befruchtet, wenn man am Arsch ist, struggelt und einen das Leben gefickt hat.

Was fällt dir zu diesem Zitat von Max Frisch ein: "Man ist nie da, wo man ist, und dennoch kann es nicht gleichgültig sein, wo man ist: Der Ort, wo man ist, gibt den Angelpunkt, damit wir die Ferne in unser Erleben heben können."

(nachdenklich) Bei mir ist das so: Bevor ich nach Stuttgart kam, bin ich mit meinen Eltern 13-mal umgezogen. Ich war in 5 verschiedenen Kindergärten, in 2 verschiedenen Grundschulen und auf 4 verschiedenen weiterführenden Schulen. Für mich gibt es keine Klasse zu deren Klassentreffen ich nach 10 Jahren gehen würde. Ich wüsste nicht welche. Deswegen bin ich schon ein bisschen ein Vagabund. Ich habe einmal in der Bahn so einen Spruch gelesen, keine Ahnung von wem der ist: "Dein Zuhause ist immer da, wo dein Herz ist." Dem stimme ich vollkommen überein.

Ich bin beispielsweise regelmäßig bei meinem Sohn in Hamburg und bei meiner Freundin in Berlin, wohne aber in Stuttgart und dazwischen überall in Deutschland. Ich bin in dem Sinne ein National Player. (lacht). Wenn du die Leute, die du in deinem Herzen trägst dabei hast, dann fühlst du dich zuhause und ich glaube, das ist der Trick dabei. Auf der anderen Seite schiebe ich manchmal auch schon einen Abtörn, wenn ich zuhause in Stuttgart bin. Mein Zimmer dort ist nicht so fly wie die Hotelzimmer in denen wir manchmal schlafen. Eine geile Bude schadet im Leben jedenfalls nicht.

Es ist wichtig einen Ort zu haben, an den man sich immer wieder zurückziehen kann um aufzutanken. Aber wir sind eben immer "On Tour", machen Party, stehen auf der Bühne und arbeiten. Wenn wir dann mal Zeit haben, sind wir im Studio, weil wir ja auch davon leben und es wirklich irgendwann mal voll zu unserem Job machen wollen.

Das bringt mich direkt zur nächsten Frage: Was denkst du: Wächst die Bedeutung von Träumen und Visionen, je mehr man für sie kämpfen muss? Hält man um so mehr an diesen Träumen fest, je weiter und schwerer der Weg ist, den man gehen muss um das Ziel zu erreichen?

Ich glaube, Leute die wirklich von heute auf morgen Erfolg haben, werden ganz oft gläubig. Sie denken: Das kann kein Zufall sein, dass ausgerechnet ich jetzt das Glück habe. Es ist krass, wenn man bedenkt, dass man mindestens noch 50 andere Rapper kennt, die genauso gut sind, es aber nur einen gibt, der 50.000 Platten verkauft. Und heutzutage ist es wirklich schwer überhaupt etwas zu verkaufen. Da fragen sich diese Leute: Okay, was habe ich wohl richtig gemacht? Diese Leute glauben dann an die Karma-Theorie oder sind auf eine andere Art gläubig. Dabei wächst auch die Hoffnung und dann träumt man weiter und weiter.

Man merkt, ich habe etwas geträumt, das ist wahr geworden ist und vielleicht wird alles wahr, was ich träume. Ich glaube auch daran, dass wenn man für etwas kämpft und daran glaubt, sein Ziel erreicht. Das passiert natürlich alles zeitverzögert. Man kann nicht erwarten, sich heute etwas zu wünschen und am nächsten Tag geht es in Erfüllung. Man muss auch etwas dafür tun. Ich glaube, es ist eine Mischung aus Karma und wirklich am Ball bleiben. Man sollte an seinen Träumen festhalten und kämpfen.

Thema Gewalt und HipHop: Was denkst du, hat die Situation in Deutschland so weit hoch gepushed, dass es tatsächlich zu physischer Gewalt kommen konnte, wie zum Beispiel im Fall von Massiv?

Die Story mit Massiv hat ja auch eine Vorgeschichte. Er fährt in den Ruhrpott und beleidigt vorher im Netz alle Mütter die dort leben. Bei der Geschichte haben sich sicher nicht nur Rapper angesprochen gefühlt. Wenn man so provoziert wie er, dann muss man mit so einer Reaktion rechnen. Grundsätzlich denke ich, dass die Kids gern Helden sehen, zu denen sie aufschauen können. So ´ne Art Action-Figur wie He-Man.

Meiner Meinung nach sollte wieder mehr gerappt werden, anstatt irgendwelche Image-Rapper heran zu züchten. Ich denke einfach, wir müssen daran glauben und gute Musik machen. Es gibt nach wie vor genügend Künstler, die nicht nur diese gewaltverherrlichten Flows kicken. Nur diese werden halt von VIVA und MTV nicht gepushed. Es sind ja immer nur ein paar Leute, die ein Video einreichen, das den Look und das entsprechende Budget im Rücken hat, damit MTV sagt: "Okay, das passt bei uns ins Format!"

Da sitzen dann bei den Fernsehsendern drei Leute, die bestimmen, welche vier Videos, von den fünfzig, die sie jede Woche eingereicht bekommen, auf Rotation laufen. Vom Rest bekommt man gar nichts mit. Im Endeffekt bestimmen dann diese drei Leute auch, welches Gesicht Deutschrap nach Außen hin zeigt. Leute die nicht in der Szene sind, wissen dann zum Teil gar nicht, dass es noch andere Arten von Rap gibt, wie zum Beispiel wie von Leuten wie Phreaky Flave.

In wie weit möchtest du deinen Sohn in deine Welt als Rapper mit einbeziehen und wovon möchtest du ihn fern halten?

Für ihn ist das alles selbstverständlich. Er war immer und überall mit dabei. Von Anfang an waren seine besten Freunde, die besten Breaker Stuttgarts. Da es für ihn aber ganz normal ist, interessiert es ihn auch nicht weiter. Er kann meine ganzen Texte auswendig, von meiner ersten EP bis jetzt zu "Dramaking". Aber er kommt nicht zu mir und sagt: "Papa, ich möchte unbedingt rappen!" oder "Rappt mir mal was vor!" Er geht auch nicht raus auf den Spielplatz und gibt mit all dem an. Er macht ganz normale Sachen: Spielt Fußball und jetzt war er total auf dem Olympia-Trip.

Er ist da auf jeden Fall ganz cool. Ich glaube, er denkt, Rapper wäre ein ganz normaler Beruf so wie Elektromechaniker. Auf jeden Fall, ist ihm HipHop sehr wichtig. Er diggt das und ihm ist HipHop seit seiner Geburt ganz nah. Als Baby habe ich ihn immer zu "Dear Mama" einschlafen lassen. Wenn er das heute hört, schaut er immer ganz komisch, er checkt ja nicht, woher er das kennt. (lacht)

Wir bedanken uns für die ehrlichen Worte!

NÄCHSTEN MONTAG: MANUELLSEN - "ES GIBT KEINE WAHREN HIPHOP FANS MEHR!"

 

Kommentare (3)add comment

:) said:

Franky, einer der wohl ehrlichsten rapper des landes.. supportet ihn, er hats verdient.
Dezember 25, 2008

DiGGedY said:

Was is eigentlich aus seiner Workshop Sache gegen Gewalt geworden?
November 24, 2008

nice said:

das video mit/ohne xavier war übrigens sehr cool. schöner song. hör ich immer noch
November 24, 2008

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