Kollegah - "Luxus ist nicht alles!"
Geschrieben von: Mareen Wordoff   
Montag, 17. November 2008 um 09:44

48/250 - In Berlin, einer Stadt, in der der bei Selfmade Records gesignte Rapper nicht nur Fans hat, trafen wir uns mit einem erstaunlich weichen Boss der Bosse zum Gespräch über Religion, Street Credibility und die Bedeutung von Luxus und Geld. Uns zeigte Kollegah, der sein Image eigentlich bis zur Perfektion verkörpert, einmal eine andere, nachdenklichere und weitaus bodenständigere Seite seiner Person.

Deinen eigenen Aussagen nach, hast du das Rap-Ding am Anfang ja keinesfalls ernst genommen und bist beispielsweise 2006 mehr oder weniger unvorbereitet auf dem Splash! Festival aufgetreten. Was bedeutet es Dir heute, wenn bei deinen Liveshows mehrere hunderte Fans deine Texte mitrappen?

Kollegah: (schmunzelt) Find ich cool! Bei meinem erster Auftritt auf dem Splash! war mir noch gar nicht so bewusst, dass ich überall Fans habe. Das hab ich erst ab diesem Zeitpunkt realisiert. Bei dem Auftritt habe ich ein bisschen verkackt, aber ich habe mich zusammengerissen und jetzt macht mir das auch Spaß. Schon ein schönes Gefühl. Man möchte den Fans damit auch einfach Dankbarkeit zeigen. (schaut etwas nachdenklich)

Du bist mit 14 Jahren zum Islam konvertiert, was ja recht ungewöhnlich für einen Deutschen mit kanadischen Wurzeln ist. Wie handhabst du deinen Glauben in Bezug auf deine Rap-Attitüde?

Kollegah: (überlegt) Schwere Frage. Eigentlich ist das gar nicht so einfach. Ich glaube, das muss man einfach trennen, auch wenn man das ja eigentlich von der Religion aus nicht sollte, so ganz fundamentalistisch betrachtet. Das ist auch nicht einfach für mich, ganz ehrlich. Aber man muss da im Kopf einfach eine Linie ziehen. Auch wenn mir viele das nicht glauben, aber ich bin auch jemand, der fünfmal am Tag betet. Das ist meiner Meinung nach, das Mindeste was ich machen kann.

Viele Sachen, die eigentlich erwartet werden, mache ich aber auch nicht. Ich versuche den Gauben einfach nicht mit dem Rap zu vermischen. Ich will auch in meinen Texten gar nichts darüber erzählen. Irgendwie ist das Alles schon ein bisschen schizophren. (lacht)

Vom Dealer zum gefeierten Star. Eine Geschichte, die man ja vor allem aus den USA kennt.


Kollegah: Da biten mich halt viele für. (lacht)

Wie wichtig ist deiner Meinung nach Street Credibility im deutschen Rap?

Kollegah: Street Credibility ist auf jeden Fall sehr wichtig und wenn ein Rapper die nicht hat, ist das meiner Meinung nach scheiße. Auch wenn mich viele für meine Credibility haten, die ganzen Dealer Storys die ich erzähle sind alle real. Die sind alle wirklich passiert und nicht ausgedacht.

Wieso aber ist man im HipHop nur real, wenn man illegale Dinge abgezogen hat und sich hart von der Gosse auf die Bühne gehusselt hat? Geht es nicht im Endeffekt um die Qualität der Musik anstatt um wahre oder halbwahre Image-Geschichten?

Kollegah: Ich denke darum geht es im HipHop gar nicht so. Da geht es auch um die Qualität der Musik, klar. Aber generell ist das im HipHop Business ein bisschen anders. Nicht wie in der Popmusik, wo es mehr um die Qualität der Musik geht. Im HipHop geht es mehr um den Menschen. Die Leute - die Fans - wollen sich auch mit dem Rapper identifizieren. Sie wollen genau wissen, was er in der Vergangenheit erlebt hat oder wie er gerade lebt. Das ist hier mehr so ein Personen-Code.

In einem Interview vor 2 Jahren hast du unter anderem Folgendes gesagt: "Ich bin süchtig nach Luxus und Geld. Das gehört zu meiner Persönlichkeit." Wenn ich dir jetzt ein Bild von einem afrikanischen Kind zeigen würde, was in ein paar Stunden vor Hunger sterben wird, würdest du dann den gleichen Satz noch einmal sagen?

Kollegah: (schaut erstaunt in die Runde) Nein, solche Kommentare gebe ich so gar nicht mehr ab. Das was ich damals gesagt habe, habe ich nicht gesagt um zu provozieren, das war meine ehrliche Ansicht. Mittlerweile bin ich aber auch ein bisschen erwachsener geworden und sehe das nicht mehr so. Luxus und Geld ist nicht alles. Ich habe das in einem ganz guten Ausmaß gehabt, aber heute weiß auf jeden Fall, dass das nicht alles im Leben ist.

Danke für die Einsicht und das Interview!

www.myspace.com/derkollegah  

NÄCHSTEN MONTAG: FRANKY KUBRICK - "YING & YANG!"

 

 

Kommentare (6)add comment

max said:

sehr nices interview!
November 17, 2008

Mister X said:

Die meisten Rapper sind schizophren.
November 17, 2008

stefan said:

leider steht da nix beues.:( wusste man ja alles.
November 17, 2008

DeeP said:

Die Frage mit dem afrikanischen Kind ist hart aber on point.
November 17, 2008

dondon said:

gut.aber sehr kurz. kein bock mehr gehabt nach der frage?
November 17, 2008

gettoboss said:

schöner start in die woche, auch wenn ich die meisten ansichten schon kannte
November 17, 2008

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