Ali A$ - "Ich glaube an Rap!"
Geschrieben von: Mareen Wordoff   
Montag, 03. November 2008 um 07:57

50/250 - Lange haben wir überlegt, wem die Ehre gebührt als Debütant in unserer neuen Interviewreihe "Gesichter deutscher Rap-Kultur" Frage und Antwort zu stehen. Doch nach dem Interview mit Ali A$ war uns allen klar: Er ist der Auserwählte! Der junge Münchner, seines Zeichens gesignt bei Deluxe Records, steht für die Neuformatierung des deutschen Raps. Er ist talentiert und bissig, vielleicht manchmal ein bisschen zu direkt, aber eines ist er auf jeden Fall: Musiker von ganzem Herzen!

Ich habe ein tolles Zitat von Charles Dickens gelesen: "Gibt es eine bessere Form mit dem Leben fertig zu werden, als mit Liebe und Humor?" Du kommst ja nun schon immer sehr witzig rüber: Gibt es auch eine deepe Seite, die du uns hier und heute mal zeigen möchtest?
  

Ali A$: Nein! Na ja, OK vielleicht doch. (grinst) Ich würde jetzt nicht sagen, dass ich so ein stupider Spast bin, der immer auf lustig macht. Ich sehe mich eigentlich als einen weinenden Clown. Die schlimmen Dinge auf dieser Welt verarbeitet halt jeder anders und ich mache das eben mit meinem kaputten Humor. Diesen Humor teilen auch erstaunlich viele Menschen und deswegen glaube ich, dass ich da auf dem richtigen Weg bin.

Ich bin kein Fan von künstlich schlechter Stimmung wie man sie oft in Bushido Tracks hört. Ich habe auch kein Interesse daran Leute abzustechen, wenn ich in der Zeit Sex mit meiner Freundin haben könnte. Wo ist da bitte die Logik? Die Welt ist schon abgefuckt genug.

2005 gab es einen Zeitpunkt in deinem Leben, an dem du nicht mehr an eine Karriere als Rapper geglaubt hast. Wenn du dir den deutschen Musikmarkt heute anschaust, stimmst du mir sicher zu, dass die Lage sich eigentlich verschlechtert hat. Glaubst du noch an dich und an Rap?

Ali A$: Na ja, was soll man da jetzt rum heulen? Klar ist die Lage scheiße, aber jede Kultur bricht an seinem Höhepunkt in sich zusammen. Vielleicht passiert das ja auch irgendwann mit der Download-Kultur. (lacht) Sido Nummer 2 werde auch ich sicher nicht, aber an Rap werde ich immer glauben. Ich kenne Rap seit dem ich 11 Jahre alt bin. Im Gegensatz zu den ganzen anderen Affen bin ich mit der Kultur aufgewachsen. Ich kenne die Zeit, als noch andere Dinge im Business relevant waren.

Wenn Rap eine Frau wäre und du ihr deine Liebe zeigen könntest, auf welche Art und Weise würdest du das tun?

Ali A$: (lacht ziemlich unverschämt) Ich würde ihr die Muschi auf eine unvergessliche Art und Weise lecken. Der Rest ergibt sich dann von allein, wenn du verstehst was ich meine?

(Erst tiefes Schweigen, dann schallendes Gelächter.)

 In Amerika dreht sich momentan alles um die Wahlen des zukünftigen US-Präsidenten. Viele Musiker, auch Rapper engagieren sich stark für eine Partei und zeigen das auch in aller Öffentlichkeit. Barack Obama hat treue Anhänger wie P. Diddy, 50 Cent, Nas und Will Smith. Warum ist so etwas in Deutschland nicht möglich?

Ali A$: Na ja, wer will sich schon zu Merkel bekennen? (lacht) Nein, im Ernst: HipHop war in den Staaten schon immer ein Politikum. Geschichten wie die von Rosa Parks sind, glaube ich, noch in den 60er Jahren passiert. Schwarze Menschen hatten eine Zeit lang nur SDE (Anmerkung Redaktion: Sport, Drugs, Entertainment) im Kopf. Da mussten sie versuchen, zumindest in diesen Bereichen Gehör zu finden.

Das ist jetzt natürlich krass über einen Kamm geschert, aber im Endeffekt ist HipHop in den Staaten dadurch richtig mächtig geworden. Die Leute dort haben noch ein Anliegen - eine Message. Auch wenn die Amis sehr stark verblödet sind und die Ziele sich auf ihre Rasse beschränken, viele Rapper dort identifizieren sich auch nur mit Amerika und vergessen, dass sie einmal aus Afrika kamen. Zumindest ihre Vorfahren als Sklaven.

Hier in Deutschland ist Rap einfach noch zu sehr ein Kindergeburtstag. Wer hat hier schon was Vernünftiges zu sagen? Ich persönlich finde auch die neue Curse Single "Freiheit" gut. Da spricht er echt mal gute Sachen an. Wer weiß, vielleicht macht ja bald ein Rapper den neuen Anthem für die Reps oder die NPD. Das würde passen, denn genauso engstirnig sind die meisten Rapper hier in Deutschland. 



Denkst du, dass HipHop mit Politik vergleichbar ist und es "quasi" immer einen Präsidenten gibt, der gerade das Game regiert?

Ali A$: (grinst) Das ist so ein beschissener Vergleich. Der hätte auch von Savas kommen können. (lacht) Nein, im Endeffekt haben wir ja gerade eine EGJ / Aggro Koalition und momentan ist da auch kein Ende in Sicht.

Aktuelles Album: "Bombe" (Deluxe Records)

Nächsten Montag: HAMMER & ZIRKEL - "BERGAUF ODER BERGAB!"

 

Kommentare (4)add comment

ich said:

ali íst echt der geilste
November 03, 2008

dlx-digga said:

kurz und knapp aber schön zu lesen
November 03, 2008

Haha said:

Ich mag seinen Humor :D
November 03, 2008

thebaske.com online hiphop said:

gute Idee das Ganze.

hier ein Profil Interview mit Ali As.

http://www.thebaske.com/index.php?id=177&L=0
einfach den link kopieren und noch einiges mehr von Ali As erfahren!
November 03, 2008

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