Torch, Wyclef, Passi & Co - Hilfe für Haiti
Geschrieben von: Pasu   
Samstag, 16. Januar 2010 um 06:14

Prominente aus aller Welt sammeln Spenden für die Erdbeben-Opfer in Haiti. Im Land sind Strukturen zerstört - derzeit fehlt es an allem.

Zerstörte Häuser und Straßen, traumatisierte Überlebende: Nach letzten Regierungsangaben sind bei dem schweren Erdbeben, dass Haiti am Dienstagnachmittag Ortszeit traf, bislang 140.000 Menschen ums Leben gekommen. Weitere 100.000 werden noch unter den Trümmern befürchtet. Über 50.000 Leichen sollen bereits bestattet worden sein. Der Innenminister des Landes sprach davon, dass die Zahl der Todesopfer bei über 200.000 liegen könnte. Das Hypozentrum lag etwa 20 Kilometer westsüdwestlich der Hauptstadt Port-au-Prince, von der weite Teile jetzt völlig zerstört sind.

Während in dem verwüsteten Inselstaat ein gigantisches Hilfsprogramm anrollt, riefen unmittelbar nach Bekanntwerden der Katastrophe prominente Künstler aus aller Welt zu Spenden auf. Unter ihnen auch Torch. Er hat haitianische Wurzeln und versucht seitdem zuverlässige Informationen aus der Region zu bekommen. Derzeit sei dies aber kaum möglich, weil alle Kanäle zusammengebrochen sind.

"Aktuell gebe ich viele Interviews und versuche mit meiner Bekanntheit möglichst viele Leute zu aktivieren, das ist das Wichtigste", sagte er dem Schweizer Nachrichtenportal 20min.ch. "Man muss sich vorstellen: Alle Strukturen, die es dort gibt liegen am Boden. Es fehlt wirklich an allem: Strom, Wasser, Unterkunft, Medikamente."

Neben Spenden sei es vor allem wichtig Interesse zu zeigen, um vorhandene Strukturen einzuschalten und zu nutzen: "Je mehr Nachfragen die offiziellen Stellen bekommen, umso mehr müssen Sie auch aktiv helfen!" Er selber hat bereits nach den letzten Wirbelstürmen, die Haiti 2008 trafen, mit Unterstützung von Alain Castera, Nathalie Hahn und Torben Frenk das Hilfs-Netzwerk "Marasa" ins Leben gerufen. "Marasa" nimmt selbst kein Geld in Empfang, sondern vermittelt zwischen Geldgebern und Empfängern, darunter Viva con Agua, einem Partner für Trinkwasserprojekte der Deutschen Welthungerhilfe.

"Wir haben den halben Tag Leichen geborgen"

Auch Wyclef Jean ist sofort aktiv geworden. Der Fugees-Rapper ist ebenfalls gebürtiger Haitianer. Online ruft er die über 1,3 Millionen Follower seines Twitter-Channels auf, fünf Dollar per SMS an die Organisation "Yele Haiti" zu spenden. Ursprünglich hatte der Musiker die Organisation gegründet, um Projekte zur Verbesserung der Lebensbedingungen in Haiti zu fördern. Laut Albe Angel, dessen Firma die Technik dafür bereitstellt, sei das momentane Ziel, täglich 1 Millionen Dollar an Spendengeldern zu sammeln.

Der Musiker selbst war schon mit seiner Frau im Erdbebengebiet, um vor Ort zu helfen. "Das Wort, das die aktuellen Geschehnisse beschreibt ist Apokalypse", sagte er daraufhin dem Sender FOX News. "Es sterben gerade noch 500.000 weitere Menschen, wenn die internationale Hilfe nicht schneller voran kommt. Meine Frau und ich haben den halben Tag damit verbracht Leichen zu bergen. Ich habe eine sehr starke Frau. Ich weiß nicht wie sie es schafft."

Ein äußerst breiter Künstlersupport formiert sich gerade in Frankeich. Laut der französischen Nachrichtenagentur AFP haben sich Dutzende Rapper und Popstars den Sängern Charles Aznavour und Youssou N'Dour angeschlossen, um mit einem gemeinsamen Musikvideo für Spenden zu werben. Den Song "A Gesture for Dear Haiti" (Un geste pour Haiti cherie), produziert vom französischen Rap-Duo Neg'Marrons, haben über 40 Künstler gemeinsam in Paris aufgenommen. Das Video soll an diesem Wochenende im französischen Fernsehen ausgestrahlt werden.

Zu den bekanntesten Unterstützern von "A Gesture for Dear Haiti" zählen Slampoet Grand Corps Malade, sowie die Rapper Passi und Stomy Bugsy. Auch Kery James, einer der erfolgreichsten französischen Rapper, hat seinen Support zugesagt. Seine Eltern stammen aus Haiti. Alle Einnahmen eines Charity-Konzerts fließen in die Hilfe vor Ort.

Verweis auf haitianische Behörden - doch die gibt es nicht mehr

"Ich habe wohl auch Verwandte und Bekannte verloren, aber es gibt momentan einfach keine zuverlässigen Informationen - ich erreiche niemanden", sagte Torch dem Sender on3-südwild. "Teile meiner haitianischen Familie sind derzeit zum Glück wegen einer Familienfeier in Europa. Das hat sie wohl gerettet. Wir vermissen aber immer noch Verwandte und Freunde."

In Deutschland gäbe es keine Stelle die ihm sagen könne, wo die Hilfe vor Ort stationiert ist. Das Auswärtige Amt verweist auf haitianische Behörden - doch die gibt es nicht mehr. Die Spenden seines Hilfsprojekts haben es bereits ermöglicht, dass in Zusammenarbeit mit "Luftfahrt ohne Grenzen" bald weitere Ärzte aus Deutschland nach Haiti fliegen.

Das Erdbeben hat mit Haiti das ärmste Land der westlichen Hemisphäre getroffen. Von den rund achteinhalb Millionen Einwohnern leben über 65 Prozent der Gesamtbevölkerung unterhalb der absoluten Armutsgrenze. Die Hälfte der Bevölkerung ist arbeitslos oder unterernährt. Auf die Frage, wie er die Zukunft des Landes jetzt einschätzt, sagt Torch: "Das kann ich momentan nicht sagen. So weit kann ich gerade nicht denken."

Mit Material von Timucin Balcin, re:flection+ Media & 360° Records

BLOG: Zu Vorbehalten vor Spenden und einer weiteren Spendenaktion für Haiti
äußerte sich auch Wildstyle-Blogger form/prim

 

Kommentare (3)add comment

laura said:

damn nice.
Januar 17, 2010

tame said:

big up frankreich und man fragt sich, wann hierzulande wieder begonnen wird echte themen aufzugreifen
Januar 16, 2010

phok said:

Respekt! Hier sieht man die Werte, die HipHop zum Beginn vermittelt hat - Zusammenhalt. Big up das es noch Künstler mit Herz gibt, die sich nicht nur darum scheren, wie sie ihr eigenen Lebensstatus verbessern!
Januar 16, 2010

Kommentar schreiben
kleiner | groesser

security image
Bitte den folgenden Code eintragen


busy