| Rohdiamanten - "Wir schreiben keine Texte, wir rappen lieber!" |
| Geschrieben von: Mareen Wordoff | |||||||
| Samstag, 21. November 2009 um 22:47 | |||||||
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Rohdiamanten, so nennt sich die Kölner Crew um Till und Nynjoe, die seit November mit ihrem zweiten Album „Schlechter als erwartet“ am Start sind. Wir trafen die Jungs bei einem Auftritt in der Hauptstadt und wollten dabei natürlich gleich wissen, wie anspruchsvoll das Berliner Publikum ist und ob es denn Spaß gemacht hat. Außerdem sprachen wir über ihr neustes Werk, warum sie hierfür ihre Texte nicht selbst geschrieben haben und ob mit zunehmendem Alter im Hip Hop Business die Luft ganz oben nicht doch ein bisschen knapp wird. WildstyleMag: Willkommen in Berlin. Sicher nicht das erste Mal, das ihr hier seid. Beschreibt doch mal eure Eindrücke von der Hauptstadt. Rohdiamanten: Dankeschön. Richtig, wir sind nicht das erste Mal hier in Berlin. Wir waren schon etliche Male hier, da wir viele Kollegen hier haben und Jim Dunloop hat hier auch ein paar Sachen für unser aktuelles Album eingespielt. Wenn man durch Berlin jettet, rafft man auf jeden Fall, warum so viele hier nie ihr Viertel verlassen. Kann man sich echt verlieren in diesem schönen Moloch. Zum Mucke machen ist Berlin allerdings echt cool. Kaum ist man drei Tage hier, hat man wieder fünf neue Musiker, Rapper und Sänger kennen gelernt. So war das bei uns zumindest. Das hat schon was für sich. WildstyleMag: Ihr ward heute Abend als Support der Delinquent Habits gebucht. Wie ist das Berliner Publikum so? Man sagt ihm nach, es sei sehr anspruchsvoll. Rohdiamanten: Echt? Ne, wurde uns auch gesagt. So von wegen, wenn sie dich nicht mögen, kannst du es vergessen. Aber scheinbar mochten die uns. Hat wirklich Spaß gemacht das erste Mal hier in Berlin zu spielen, mal abgesehen von der You Messe, auf der wir letztes Jahr waren. Aber das war schlechter als erwartet. Und am Samstag spielen wir ja auch gleich noch mal hier im Cassiopeia. WildstyleMag: Euch gibt es als Rap-Combo ja schon seit dem Jahre 2000. Für diejenigen, die euch noch nicht kennen, beschreibt doch mal euren Werdegang. Rohdiamanten: Also 2000 waren wir noch mit einer anderen Formation unterwegs. Bastlaz hießen wir da und haben damals bei Beatz aus der Bude und Onkel DJ Lifeforce unseren ersten Tonträger herausgebracht. Damals waren wir fünf Leute, jetzt sind wir zwei. Wir heißen Nynjoe und GranTill, kurz Rohdiamanten. Wir haben 2006 unser Debütalbum „All you can eat“ bei PoseOff Records rausgebracht. Jetzt ist es 2009 und wir haben uns gedacht: Scheiße schon wieder 3 Jahre vorbei, lass uns mal wieder ein Album raus bringen. Und Bäääm da ist es: „Schlechter als erwartet“. WildstyleMag: Viele Rapper haben ja eine Botschaft, die sie den Leuten da draußen mitgeben möchten. Habt ihr auch eine? Rohdiamanten: Ähm? Botschaft? Wir haben leider keine gelähmten Zeigefinger, die die verrohte Jugend in eine konkrete Richtung dirigieren. Wir werben weder für eine bessere Welt, noch für eine Wack-MC-freie Zone. Obwohl beides nicht schlecht wäre. Klar erzählt dir mal ein Song „Fühl dich gut“, der Andere unterbreitet dir dich Scheiße zu fühlen oder falls du dich nicht Scheiße fühlst, dir doch zumindest vorzustellen, wie es wäre, wenn du dich Scheiße fühlen würdest. Aber im Grunde soll man sich die Songs reinziehen, sich amüsieren und sich vielleicht in bestimmten Aussagen oder Bildern wieder finden und denken: Haha, ja kenn ich. WildstyleMag: Euer neues Album ist am 06.11.2009 erschienen. Was erwartet die Hörer? Rohdiamanten: Monotone Vielfalt und mit viel Liebe zum Detail produzierte Songs. Mal Zeilen zum um die Ecke denken, mal Zeilen, die so stumpf sind als hätte Mario Barth für uns ge-ghostwritet. Wir packen grundsätzlich nie alle Facetten in einen Song, so dass man, nachdem man zwei Tracks gehört hat, sagen könnte: „Ah, die machen so und solchen Sound“. Man muss sich die Platte leider komplett anhören um sich ein Bild von uns machen zu können. Au Backe, wer macht so was heutzutage noch?
![]() WildstyleMag: Warum der Titel "Schlechter als erwartet"? Wie seid ihr darauf gekommen? Rohdiamanten: Das Album zur Krise eben. Deiner Krise, meiner Krise. Haste keine Krise, kriegst du eine wenn du das Album hörst. Nein im Ernst, der Titel passt einfach verdammt gut zu der Entstehung dieses Albums. Es beinhaltet sowohl die extremen Komplikationen bei der Entstehung der Songs, als auch die extremen Komplikationen bei der Entstehung von uns, wer wir jetzt gerade sind oder eben nicht sind. Es waren einfach musikalisch und privat drei sehr schwierige Jahre mit vielen Tiefschlägen. Oft sah es so aus, als würden sich neue Chancen und Möglichkeiten ergeben, um die Musik und unser Leben nach vorne zu bringen, die aber dann immer, manchmal auf wirklich absurde Weise, zerplatzten. Schlechter als erwartet eben. Abgesehen davon muss tatsächlich jeder erstmal lachen wenn er den Namen hört. WildstyleMag: Mit welchen Produzenten habt ihr für das Album zusammengearbeitet? WildstyleMag: Wie läuft das bei euch: Wer schreibt die Texte? Wer kümmert sich um die Beats? WildstyleMag: Ihr arbeitet mit einer Writing-Agentur zusammen? Das wirkt im Rap-Business ja ziemlich unreal oder? WildstyleMag: Warum geht ihr so offen mit der Tatsache um, dass ihr weder eure Texte schreibt noch eure Beats selbst baut? Ihr verkauft quasi nur eure Stimmen und euer Gesicht? Rohdiamanten: Man muss versuchen, das heraus zu heben was man gut kann. Eben seine Qualitäten. Und da wir schöne Stimmen haben und gut aussehen, waren wir uns mit dem Management schnell einig, dass wir das Projekt so angehen. Warum den Leuten vorgaukeln, dass man alles selbst macht. Wir wollen real bleiben und ehrlich zu den Fans. Man will nicht morgens in den Spiegel schauen und sich vor sich selbst ekeln, weil man alle verarscht hat. Und die Leute wissen das auch zu schätzen. WildstyleMag: Habt ihr vor, irgendwann von den Verkäufen eures Albums zu leben oder ist das eher alles just for fun? Rohdiamanten: Na ja, im Moment leben wir von Luft, Liebe, der Leidenschaft zur Musik und ein paar Nebenjobs. Wir versuchen uns aber, jeder für sich, noch ein anderes Standbein aufzubauen, das dann hoffentlich nicht so dünn und klapprig ist wie das einer Rap-Karriere. Klar ist, dass wir beide langsam Geld verdienen müssen, um nicht immer so scheiße Pleite zu sein wie jetzt und wir haben über die Jahre das Gefühl gewonnen, dass es da durchaus bessere Möglichkeiten gibt als die Musik. Auch wenn nicht alle so schön sind wie Musik zu machen.
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WildstyleMag: Jetzt wo ein Label nach dem anderen dicht gemacht hat, man mit Rap eigentlich kein Geld mehr verdient, wächst der Druck vor allem für alle älteren Künstler endlich krass durchzustarten. Empfindet ihr das auch so? WildstyleMag: In eurer aktuellen Single "Mir egal", zu der ihr auch ein Video gedreht habt, macht ihr auf Oberatzen. Hört sich bisschen nach Frust gegen Alles und Jeden an. Was wollt ihr damit ausdrücken? WildstyleMag: Würdet ihr gern mal mit einem deutschen Rapper ein Feature aufnehmen? WildstyleMag: Mit welchem Produzenten würdet ihr gern mal zusammenarbeiten? WildstyleMag: Was habt ihr euch für die Zukunft vorgenommen?
Bilder: Jan Hinz & Till van Loosen
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Kommentare (8)
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penner
said:
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kann es sein, dass ihr ironie nicht versteht, selbst wenn mit dem zaunpfahl gewunken wird? |
tha realness
said:
| also ich hab gehört deren kleine schwestern würden die rhymes für die schreiben.. |
AtzePeng
said:
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ich mag die jungs, nur das mit dem sido-feature hätte nich sein müssen... alles hat grenzen... aber egal, sido will sicher eh nicht... |
















