| 7inch: „Beats müssen Emotionen wecken!" |
| Geschrieben von: redaktion | |
| Dienstag, 01. September 2009 um 15:44 | |
![]() 17/250 - Gesichter deutscher Rap-Kultur: Momentan überkommt mich das leichte Gefühl, die Welt wartet sehnsüchtig auf die Veröffentlichung... ... eines neuen musikalischen Meisterwerks. Ausgetrocknet von den dürftig genialen Releasen der letzten Monate und hungrig nach dem Album des Jahres, hängen wir uns an jeden einzelnen Schnipsel, der momentan aus Richtung Amerika kommt: Fette Feature-Vorabsongs, legendäre Interviews und Statements, coole Videos und Commercials. Alles wird hart diskutiert und begutachtet. Hater sowie Fans stehen in den Startlöchern, um das Wunder des Jahres zu bestaunen: Jay-Z’s elftes Studioalbum mit Namen Blueprint 3. Nun wurde sein Baby gestern Abend für rund 12 Stunden, im Netz zum mehr oder weniger illegalen Download freigegeben und jeder, der das Album seitdem besitzt, hat heute ein wundervolles Gesprächsthema mehr.Betrachtet man diese Aktion aus strategischer Sicht, ist das wohl die beste Promotion, die ein Künstler braucht, um pressetechnisch sein Album ganz oben in den Medien zu halten, damit es sich in wenigen Tagen Millionen Mal verkauft. Versteht man ein bisschen was von Marketing, dann weiß man auch, welches Spiel man hier mit uns spielt. Die Waffe des gewieften Promoteams um Jigga ist WOM – World of Mouth Marketing. In Amerika schwört man ja schon lange auf die Verbreitung von Mund zu Mund bei Produktneuheiten. Ich jedenfalls habe heute schon mit sieben Leuten über Blueprint 3 gesprochen, zehn Tweets versenden und auf Facebook fünf Statusmeldungen zu Hova verbreitet. Mission erfolgreich! Zurück in Deutschland und angekommen am Boden der Realität, backen wir jetzt mal wieder ein paar kleinere, aber nicht weniger gut schmeckende, Brötchen: Ich traf mich vor kurzem mit dem Produzenten 7inch, der in Berlin ja kein unbekannter ist und sprach mit ihm über: Vitamine und Talent, Finanzen im Musikgeschäft und ob man Geschäftliches und Freundschaft wirklich miteinander trennen kann. Ich vermisse die Bandgeschichten, wo eine Gruppe ein ganzes Album mit ihrem eigenen Produzenten rausbrachte, wie damals EinsZwo oder Freundeskreis. Zum Thema Vitamin B: Das ist wohl in jedem Lebensbereich von Vorteil. Ich habe es zum Glück nicht nötig, Künstlern wegen Beats hinterherlaufen zu müssen, da wir von Hustle Heart uns im Laufe der Jahre einen Namen durch große Produktionen erarbeitet haben. Mir ist es wichtig, dass die Künstler für die ich produziere, wissen, dass ich für Qualität und Zuverlässigkeit stehe. Es ist eine Art von Kunst sich musikalisch ausdrücken zu können. Mit dieser Kunst möchte ich Gefühle in den Hörern wecken. Wenn ein Künstler zum Beispiel etwas von mir hört, dann möchte ich, dass er sofort anfängt zu schreiben, weil er so inspiriert ist. Der richtige Beat und der richtige Text funktionieren am Ende wie eine Symbiose. Ich stecke also wirklich mein Herzblut in die Musik und demnach ist es auch völlig legitim, dafür am Ende Geld zu verlangen. Zu verschenken haben wir ja heute alle nichts mehr. Ich möchte nicht für ein aufgesetztes Image bekannt sein, sondern für gute Musik stehen und auch so von den Fans wahrgenommen werden. Klar freut es mich, wenn Produzenten mehr Aufmerksamkeit erhalten und das öffentliche Interesse an deren Werdegang steigt, nur ist es meistens einfach unterhaltsamer, wenn sich wieder mal Rapper A mit Rapper B die Köpfe einschlägt und Beef starten. Mir gefällt das Seite-Zwei-Leben als Produzent schon ganz gut. Und eins ist doch klar: Ohne Beat, kein Lied! Es war ja auch die Ära vor dem ganzen Berlin-Hype, wo der Rest Deutschlands die Berliner Rapper überhaupt nicht zur Kenntnis genommen hat. Die Jungs von Aggro Berlin haben den ganzen Berlinhype dann auf den Markt gebracht. Alle Augen starrten plötzlich nur noch auf die Berliner Rapszene. Berlin hat viele Trends gesetzt, wie zum Beispiel diesen Atzenkram oder den Untergrundrap wie Royal Bunker. Ich habe im Laufe der Jahre mit vielen Berliner Rappern zusammengearbeitet, wie zum Beispiel Cobra,Taichi, Prinz Pi, Basstard oder Colos, demnach denk ich nicht, dass sich die Künstler unbedingt verändert haben, jedoch hat sich die Fanbase stark gewandelt. Es ist eine neue Generation von Hip Hop-Konsumenten entstanden, die es vor 10 Jahren natürlich so noch nicht gab.
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