Spax - "Wenn du hart bist, machst du keinen Rap"
Geschrieben von: moonwalker   
Donnerstag, 27. August 2009 um 09:31
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Spax - "Wenn du hart bist, machst du keinen Rap"
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Einst waldreichste Stadt Deutschlands, europäische Spitzenklasse nur in Sachen steilster Füßgängerzone - meist ist Siegen...

...ein recht unbeschriebenes Blatt auf der Landkarte. Anders als Spax mit dem Frühlingserwachen sowie zahlreiche weitere hochkarätige Gastspiele der wichtigsten Schauspielhäuser Deutschlands im Rahmen der Siegener Bienalle ihre Spuren in der Stadt hinterließen, die Der Spiegel einst als "Provinzstadt" abstempelte. Im Zuge dieser Theaterwochen schlug Manuel Reitschuster, Intendant des Siegener Apollo Theaters, eine Brücke zwischen den Kulturen und baute eine Rapshow mit Spax, Nazz und B.E. (RapResidentz) zwischen berühmte Inszenierungen wie Woyzeck, Hiob oder Faust.

Im Zuge dieses entspannten Konzerts trafen wir uns mit einem sehr gut gelaunten Spax. Er wirkte erholt, voller neuer Energie und verriet uns im Interview seine Pläne für die Zukunft, einen ganz persönlichen Blick auf Rapdeutschland und warum ihn grade Künstler wie Casper oder Nazz erfreuen.

WildstyleMag.com: Du hast uns einst in einem Interview gesagt, dass du es für unheimlich wichtig hältst „Fan zu bleiben“, würdest du diese Aussage auch heute noch unterschreiben?

Spax: Ich denke immer noch, dass es wichtig ist Fan zu bleiben, da Fan sein für mich auch etwas mit Respekt zu tun hat. Es ist zwar ein wenig widersprüchlich, da ich damals gerappt habe „keiner hat sich freiwillig Hip Hop Fan genannt“, was sich aber darauf bezog, dass wir alle Aktivisten waren. Jemand der Hip Hop macht und aktiv ist und dazu zähl ich mich jetzt einfach mal, der ist ja wiederum auch Fan von anderen Sachen. Fan sein bedeutet ja nichts anderes, als sich für eine Sache begeistern zu können.

WildstyleMag.com: Und die Begeisterung ist bei dir immer noch vorhanden?

Spax: Klar. Du musst diese Begeisterung einfach haben, denn wenn du diese nicht mehr hast, dann wirst du deine Sache nicht mehr gut machen. Mein letztes Album ist aus 2003, wir haben nun sechs Jahre später und ich fang praktisch wieder bei Null an. Wenn ich heute auf eine Bühne gehe und weiß, dass ich schon vor 1000 Leuten, 10.000 Leuten oder auf dem Splash vor 20.000 Leuten gespielt habe und heute vor 80 oder 100 Leuten spielen werde, dann muss man das einfach lieben.

WildstyleMag.com: Also bist du nicht enttäuscht heute vor maximal 100 Leuten gespielt zu haben?


Spax: Nein, ich bin auf keinen Fall enttäuscht. Ich denke enttäuscht wäre ich, wenn die Leute die da waren, nach der Hälfte der Zeit gegangen wären. Ich verbuche das Konzert heute eher als Erfolg für mich, denn es waren viele Leute da, die mich gar nicht kannten. Leute aus einem ganz anderen Kultursektor, die überwiegend aus dem Theaterkreis kamen. Es waren viele Leute da, die um die 20 waren und als die zehn waren, hab ich meine Platten herausgebracht, das darf man einfach nicht vergessen. Wieso sollte ich enttäuscht sein, dass diese Leute mich nicht kennen.

Wenn es an meiner Leistung liegen würde und ich merken würde, ich kann das nicht mehr, dann wäre ich enttäuscht. Aber von den 100 Leuten, die hier waren, kannte mich vielleicht die Hälfte und von denen kannte auch nur eine Hälfte meine Musik und trotzdem haben die mitgefeiert, das ist doch ein Erfolg. Die kennen sowas ja gar nicht, dass da einer auf der Bühne ist und Faxen macht, ins Publikum geht und sie auffordert den Chorus mitzusingen. Die kennen nur: „Now we play the next song!“.

WildstyleMag.com: Von dir stammt der Satz „Hip Hop ist eine Retrokultur“. Man könne das alte nicht wiederholen, aber es sei wichtig jeder Zeit seinen Touch mitzugeben. In Deutschland passiert zurzeit sehr viel. Ist jetzt wieder die Zeit in der du Hip Hop etwas mitgeben kannst, bzw. persönlich auch wieder Erfolge feiern kannst?

Spax: Ich spekulier da gar nicht. Versteh mich nicht falsch, aber für mich ist dieser Erfolgsgedanke sehr schwierig. Sogar eher nervig. Ich hab das heute gemerkt, als ich mit Wiz hergefahren bin. Es ist einfach schön an einer Location anzukommen, Backstage steht ein bisschen Essen & Getränke und wir fahren in ein nettes kleines Hotel und ich weiß heute Abend spiel ich eine Show und danach krieg ich ein bisschen Geld dafür. Das ist Erfolg für mich. Erfolg bedeutet ich mach etwas, was mir Spaß macht, was mich erfüllt und dann krieg ich auch noch Geld dafür von dem ich meine Miete zahlen kann und auch noch ein neues paar Turnschuhe. Das find ich super.

WildstyleMag.com: Dennoch geschieht grade viel unerwartetes…

Spax: Ja das stimmt und ich bin der Meinung, dass sich wieder Dinge durchsetzen, die echt sind. Es gab einfach viel zu lange Leute, die nicht echt waren und nichts Echtes erzählt haben. Nazz hat heute ja auch hier gespielt, von Nazz wusste ich beispielweise nichts. Es gibt mittlerweile so viel, da wird man mit der Zeit ignorant und bekommt nicht mehr viel Neues mit. Sie hat mir aber ihr Album geschickt, wofür ich ihr sehr dankbar bin. Ich hab mir das Album angehört und hab mich total gefreut. Ich hab mich gefreut, dass es sie gibt und ich Sachen höre die eine Deepness besitzen, die einfach etwas anderes darstellen. Auch als ich Casper gesehen habe und das Album gehört habe, habe ich mich gefreut, weil es einfach mal eine ganz andere Sichtweise von Dingen ist.

WildstyleMag.com: Und deine Rolle dabei…