| Danny Fresh - "Politik ist nur ein kleiner Teil" |
| Geschrieben von: redaktion | |||||
| Freitag, 07. August 2009 um 15:56 | |||||
Seite 1 von 2 ![]() Der Mannheimer Rapper und Popakademie-Dozent Danny Fresh, 31, über ewigen Newcomer-Status, Politikverdrossenheit im Rap und sein Album „Vici“. WildstyleMag.com: Projekte mit Söhne Mannheims bis Cassandra Steen, bis zu 80 Auftritte pro Jahr, mit Xavier Naidoo vor einer Million Menschen gespielt. Wie schafft man es trotz dieser Erfolge im Rap-Bereich nahezu unbekannt zu bleiben?Danny Fresh: Das ist eine Frage der Prioritäten würde ich sagen. Klar würde ich mir wünschen, dass mein Name weitaus mehr Heads ein Begriff ist, aber für mich steht einfach die Arbeit an meinem Zeug im Vordergrund und nicht auf wie vielen Mixtapes ich vertreten bin. Ich gebe meine Rap-Workshops, schreibe Sachen für andere und arbeite in erster Linie mit den Leuten in meiner direkten Umgebung zusammen, egal ob die für die Szene interessant sind oder nicht - es geht um Musik. WildstyleMag.com: ...die in deinem Fall eher ein erwachseneres Publikum anspricht. Danny Fresh: Die Art von Rap, die ich mache, ist nicht gerade das einfachste Thema und die Hip Hop-Medien waren in den letzten Jahren an so ziemlich allem interessiert außer an Conscious-Rap aus Deutschland. Und mich irgendwo zwischen Wannabe-Gangstern, Kampfhunden und ausgeliehenen Autos in Szene zu setzen war mir nicht den kleinsten Teil meiner Zeit wert:-) Qualität setzt sich durch und ich hab Zeit - ich rap auch noch mit 50 - sogar als Newcomer:-) WildstyleMag.com: Wenn du dich selbst in eine Schublade einordnen würdest, welche wäre das? Conscious-Rap? Polit-Rap? Danny Fresh: Wenn schon Schublade, dann Conscious-Rap. Was ich mache ist teilweise auch politisch, aber das ist für mich nicht der Schwerpunkt. Mir geht´s um das Leben und da ist Politik wirklich nur ein sehr kleiner Teil. WildstyleMag.com: Trotzdem nimmst du wöchentlich einen hochpolitischen „News Rap“ für bigFM auf, der fast 2 Millionen Menschen erreicht. In den frühen Neunzigern war Deutsch-Rap mit Gruppen wie AC, Absolute Beginner oder Anarchist Academy stark politisiert. Ist dieser Stil inzwischen verschwunden? Danny Fresh: Dass der Stil verschwunden sei, würde ich jetzt nicht behaupten. Vermutlich gibt es etliche Underground MCs und Crews, die nach wie vor politisches Zeug machen - ich krieg zumindest immer wieder von welchen mit. Jedenfalls spielt sich so gut wie nichts davon im öffentlichen Bewusstsein ab. Was ich recht eigenartig finde, denn Missstände werde ja auch im deutschen Straßen-/Gangster-Rap oft genug angeprangert. Nur den nächsten Schritt macht keiner. Is irgendwie so´ne Art Stammtisch-Mentalität im Rap. Meckern ja, machen nein. Vielleicht heißt es ja deshalb „Deutsch“-Rap:-) WildstyleMag.com: Samy Deluxe widmete Missständen einen großen Teil seines letzten Albums und war erfolgreich. Eine Ausnahme. Auch in den USA spielt politischer Rap kommerziell kaum eine Rolle. Ist Politik als Thema zu unsexy? Danny Fresh: Ich denke das Thema Politik an sich ist natürlich etwas sperrig für eine Sache wie Musik, die bei uns in erster Linie der Unterhaltung dient. Wobei ich auch eine etwas andere Definition von Politik habe. Jeder denkt bei Politik nur an Parteien, Politiker oder Wahlkampf. Dabei vergessen wir, daß jeder in seinem Verhalten politisch ist. Und am politischsten sind die, die sich komplett raushalten und z.B. nicht wählen gehen, denn sie überlassen das Feld allen anderen. Ich glaube, daß viele einfach zu bequem sind ihre eigene Einstellung und Meinung zu vertreten - nicht nur mit Worten. Und wenn einem das fürs eigene Leben egal ist, will man in der Musik natürlich auch nicht dran erinnert werden. So würde ich mir das ein stückweit erklären. WildstyleMag.com: Die Abverkäufe von Rap-Alben sind heute in der Regel keiner Rede mehr wert. Was muss man tun, um dennoch über Jahre von der Kunst zu leben? Danny Fresh: Als erstes muss die Entscheidung her, ob man diesen Weg wirklich gehen will. Mit allem was dazu gehört, also auch das Bewusstsein dafür, dass es den wenigsten Musikern vergönnt ist, von einem einzigen Projekt beruflich überleben zu können. Ausprobieren und machen. Ich hab mittlerweile die ganze Workshop und Unterrichtssache sehr vorangetrieben. Ich habe Sonderprojekte mit Orchestern durchgezogen, schreibe Artikel für Zeitungen und Zeitschriften, schreibe Texte für Sänger und zwischendurch gibt´s auch mal ´nen einfachen Werbeauftrag. Durch die Vielseitigkeit kann ich mir dennoch die Dinge raussuchen, die mit meiner Liebe zu Hip Hop, Rap und Sprache zu tun haben. Dadurch kann ich es mir „leisten“ weiter Alben rauszubringen, auch ohne riesige Verkaufszahlen. Das ist künstlerische Freiheit und Unabhängigkeit. |
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