Jan "User" Wagner und die Graffitibox Summer Jam
Geschrieben von: redaktion   
Mittwoch, 22. Juli 2009 um 00:05
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Die Graffitibox Jam ist Berlins Hip Hop-Event des Jahres. Wir tauchten ein hinter die Kulissen und sprachen mit einem der Veranstalter.

Über Veranstaltungen, die sich vollmundig Jam titulieren und so rein gar nichts mit der klassischen Art des Hip Hop-Meetings zu tun haben, kann man in Berlin nur lachen. Dennis Thimm, Pierre „P-Yeah“ Lässig und Jan „User“ Wagner sind die Köpfe hinter Deutschlands womöglich größter Hip Hop Jam.

Aufgebaut auf dem prominenten Graffiti-Portal Graffitibox.de, ist in der Hauptstadt über die letzten Jahre ein Event gewachsen, der in Sachen kultureller Vielfalt die meisten Konkurrenz-Events mit dem Wörtchen Hip Hop im Namen schlichtweg alt aussehen lässt. „Aus Liebe zur Kultur“ heißt das Motto der diesjährigen Veranstaltung. Aber ist Hip Hop nicht eigentlich tot?

"Falsch!", sagt Jan „User“ Wagner, 24, geschäftsführender Gesellschafter der Brandshake Berlin, der sich im Rahmen der Jam um Organisation und Künstler kümmert. Mit der GBOX Jam halte man einmal im Jahr die Fahne hoch - und fordert Besucher zur kulturellen Zeitreise.

WildstyleMag.com: Die Jam geht 2009 in ihre vierte Runde, ihr rechnet mit 4000 Besuchern. Kann man zur größten Hip Hop-Jam Deutschlands gratulieren?

User: Das ist schwer zu beantworten. Wir sind auf jeden Fall kein Festival und mir ist auch keine größere Jam in Deutschland bekannt. Vor allem sprechen wir von einer „wirklichen Jam“, die auch alle Elemente des Hip Hop vereint.

WildstyleMag.com: Welche Bedeutung hat der Name Graffitibox für die Jam?

User: Die Graffitibox.de ist eine der relevantesten Graffiti-Onlinemedien und ist dadurch natürlich einer der Erfolgsfaktoren der Veranstaltung. Außerdem prägt die Philosophie der Graffitibox.de das ganze Event seit dem ersten Jahr.

WildstyleMag.com: Rechnet sich der Aufwand finanziell?

User: Ganz klar Nein! Die Veranstaltung kostet wahnsinnig viel Geld und die Motivation das Event zu realisieren beruht nicht auf einem möglichst hohen Gewinn, sondern darauf etwas für die Hip Hop Kultur in Berlin und für ganz Deutschland zu tun. Das heißt, wir möchten die Szene wenigstens an einem Tag im Jahr wieder näher zusammen bringen, Newcomer unterstützen und auch den Kids unsere persönliche Perspektive auf die Kultur zeigen, die sich natürlich klar von dem Bild unterscheidet, was man von den Medien größtenteils vorgesetzt bekommt. Wir kommen bei dieser Veranstaltung bei weitem nicht mal auf unsere Opertunitätskosten.

WildstyleMag.com: Das kann man nicht hoch genug wertschätzen, aber faktisch gesehen ist das klassische Hip Hop-Elements-Ding doch durch?

User: Wenn du die Frage darauf beziehst, ob die klassische Hip Hop Jam  vom Aussterben bedroht ist, dann gebe ich dir recht. Selbst hier in Berlin gibt es keine Jams mehr, wo wirklich alle Elemente bedient werden. Jeder findet es schade, aber kaum einer tut was. Aber genau dadurch spaltet sich die Szene doch so. Wenigstens hat jede Disziplin noch ihre eigenen jährlichen Highlights (BOTY, ITF, etc.).

WildstyleMag.com: Für 2009 gab es nochmals einen Rekord bei den Anmeldungen. Wie viele Zuschriften von Künstlern/Gruppen habt ihr bekommen und wie verteilt sich das auf die zur Verfügung stehenden Slots?

User: Wenn ich die Anmeldungen für Graffiti, Breakdance und Nu Style Hip Hop mal weglasse und mich auf die Anmeldung der Rapper und Rap-Crews beschränke, sind es ca. 200 Anmeldungen. Wir haben allerdings zwei Bühnen und die Veranstaltung geht nur einen Tag. Deswegen haben wir die Zeitpläne noch enger gesetzt und kommen so auf 70 Künstler, die jeweils 15 Minuten spielen können. Ein großer Teil der Künstler wird natürlich von uns angesprochen, da wir auch eine eigene Wunschliste haben.

Auch wenn bei den 200 Bewerbern viele dabei sind, die für die Bühne noch nicht weit genug sind, würden wir am liebsten allen eine Möglichkeit bieten, sich zu präsentieren. Trotzdem werden jedes Jahr Bewerber im Line Up berücksichtigt, die selbst in ihrer Stadt kaum jemand kennt. Und das ist schon außergewöhnlich für eine Veranstaltung in dieser Größenordnung

WildstyleMag.com: Schreckt es nicht eher ab, wenn die es nicht mal schaffen, sich in ihrer eigenen Stadt einen Namen zu machen?

User: Ich rede natürlich explizit von meiner Stadt, Berlin. Und hier gibt es doch mehr Rapper, als Fans. Jeder hat ein Mixtape, eine EP oder ein Album. Ich bin jedes Jahr aufs Neue überrascht, wie viele Rapper es hier gibt, von denen ich noch nie was gehört habe. Und viele von denen haben einfach eine Chance verdient.