Shuko: "Meine Fresse muss nicht jeder sehen"
Geschrieben von: Mareen Wordoff   
Montag, 22. Juni 2009 um 16:39

20/250 - Gesichter deutscher Rap-Kultur: Während auf den Straßen Teherans hunderttausende von Menschen gegen die Regierungswahl...

...und den neuen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad protestieren, taten es ihnen viele Europäer gleich und trafen sich zu friedlichen Protesten. Während einige Menschen im Iran bei der Forderung auf ihr Recht nach Demokratie und transparenten Wahlergebnissen unfreiwillig ihr Leben ließen, gab es einige Deutsche, die weitaus größere Probleme plagten: Man sorgte sich am Wochenende mal wieder um die sommerlichen Temperaturen. Viel zu kalt sei es für diese Jahreszeit und so mancher Urlaub an der Ostsee fiel sprichwörtlich ins Wasser. Mir fehlen für solche Nöte, in Anbetracht der aktuellen Berichterstattung, die Worte.  Passender beschrieb es Fernando Pessoa in seinem Buch der Unruhe: "Die Freiheit spürt nicht, wer nie unter Zwang gelebt hat.“

Trotz der traurigen Nachrichten aus dem Abendland, möchten wir euch an diesem Montag nicht den dreißigsten Teil unserer Serie „Gesichter deutscher Rap-Kultur“ vorenthalten. Ich traf mich mit dem Hustle Heart Gründer und Produzenten Shuko um über das produktive Nerd Dasein, Beef unter Kollegen und Megahits in Amerika zu sprechen. Über das Wetter aber, werden wir uns jedenfalls in diesem Gespräch nicht beschweren. In diesem Sinne: Azadi baraye Iran!

WildstyleMag.com: Was ist das Faszinierende am Produzieren für dich?


Shuko: Schwer zusagen. (überlegt) Bei mir war das so, dass ich einfach ein Ventil brauchte um etwas raus zu lassen und dann später wurde es zu einer Herausforderung. Du hast halt einen Premo Beat gehört und wolltest genau so einen auch bauen. Oder von mir aus auch einen Neptunes oder Timbo Beat. Und mit der Zeit fuchst man sich da hinein und man gibt seine eigene Note dazu. Der Kick ist eigentlich der, dass man etwas aus dem Nichts entstehen lässt was Menschen bewegt und damit meine ich nicht nur zum Kopfnicken oder so. Eher das man was erschaffen kann, was einen Menschen 8000 Kilometer weit weg dazu bewegt, sich Nachts um 1 Uhr ins Studio zu setzen, seine Gedanken auf Musik zu recorden und das dann der ganzen Welt zeigen zu wollen. Und wenn dann das Feedback stimmt und der Track dazu noch rockt, gibt das mir einen Kick. (lacht)

WildstyleMag.com: Ist man als Produzent nicht oft der einsame Nerd?

Shuko: Ich denke, jeder Mensch ist in gewisser Art und Weise, wenn er sich für etwas begeistert, ein Nerd und so ist das auch bei uns Producern. Da gehen auch mal gerne 14 Stunden drauf um ein paar Beats zu machen. Bei mir hat das aber zum Glück etwas nachgelassen, da ich heute eher nach dem Motto arbeite: Weniger ist Mehr. Früher war das schon eher ein Problem für mich. Da habe ich vergessen zu trinken und zu essen und mich gut in den Arsch gemacht. Ich habe einfach meinen eigenen Film geschoben und alles um mich herum vergessen. Es gab Tage, da war ich eine Woche lang nur im Studio und habe dort geschlafen und gegessen. Ich habe dann aber auch schnell kapiert, dass das Leben in so einem Mikrokosmos sehr gefährlich sein kann. Und das nicht nur weil man nach einer Woche wie ein Penner aussieht und so gestunken hat. (lacht) Übrigens gab es im Studio eine Toilette. (lacht)

WildstyleMag.com: Produzenten gelten ja immer als neutral und objektiv. Wie sieht es innerhalb des kleinen und feinen Produzentenkreises der HipHop-Szene aus? Gibt es da auch mal Beef und Stress?

Shuko: Klar gibt es da Beef wie in jedem Betrieb, Freundeskreis oder jeder Familie. Das Ding ist ja, dass Producer in den Medien nicht so einen Stellenwert haben und deshalb ist so was auch uninteressant für die breite Masse und es kriegt keiner mit. Producer sind ja eher die Typen, die nicht auffallen wollen. Ich habe auch schon viele Sachen abgesagt, wie beispielsweise für MTV in den Staates oder auch in Frankreich, auch viele Interviews und andere Pressetermine. Ich hatte einfach keinen Bock, dass jeder meine Fresse sieht. Mich nervt das schon wenn ich in Mainz einkaufen gehe und mich Leute anquatschen. Geht gar nicht klar. (lacht) Und ich denke, das ist bei vielen anderen Producern ähnlich. Man will sich nicht zum Affen machen und wer ein wenig Einblick in dieses scheiß Business bekommt, der versteht genau was ich meine.

Die Medien selber könnten die krassesten Stories von den Producern bekommen, denn die bekommen alles mit was in den Studios abgeht und wer mit wem Beef hat. Aber da Magazine meist auch ein Gesicht dazu haben wollen und das alles immer krass übertrieben sein muss, sagen sich viele Producer auch „Fuck it!“. Aber zurück zur Beef-Sache, die wird sich in Zukunft noch verschlechtern, da immer mehr vom Kuchen wegfällt und dann wird sich halt noch krasser um die Krümel gestritten, denn da hängen ja auch Existenzen dran.

WildstyleMag.com: Welchen Traum träumt ein jeder deutscher Produzent? Ein Megahit in Amerika?

Shuko: Klar! (grinst) Dazu ein Haus in Miami, Bitches und jeden Tag koksen. (lacht) Kein Plan von was die Anderen träumen. Für mich ist damit schon ein Traum in Erfüllung gegangen, dass ich von der Musik leben kann. Mehr brauche ich nicht. Einfach Musik machen und Respekt bekommen, für das was mach macht. Mehr muss es nicht sein. Außerdem ist das mit den Megahits auch so eine Sache: Ich kenne genug Jungs, die Platin gegangen sind und daran zerbrochen sind, da es der einzig Erfolg war und danach einfach nichts mehr ging. Die Jungs waren einfach überfordert und sind dem Erfolg dann nur noch hinterher gelaufen. Auf so was habe ich dann auch keinen Bock.

Wie sieht für dich als Produzenten die Zukunft des deutschen Raps aus?

Shuko: Ich beobachte die Szene mit einem lachenden und weinenden Auge zu: Sie schrumpft sich gerade wieder gesund und die Rapper, die was darauf haben, werden überleben. Aber durch den ganzen Internetscheiss gehen halt auch die unter, die was darauf haben, aber keine starke Fanbase. Finde ich eh komisch, dass ich für eine CD, die ich im Mediamarkt klaue, bestraft werde, aber wenn ich sie runter lade, nichts passiert. Da läuft doch irgendwas falsch. Nur die Leute, die genau das Problem ändern könnten interessiert es nicht. Da werden lieber Millionen für Bänkerspasten ausgeben, die ihre eigene Bank an die Wand gefahren haben. Ich will die Politik nicht verteufeln, weil sie auch vieles gut macht, aber statt Platten zu verbieten und darüber zu sprechen ob ein Kaas für Winnenden verantwortlich ist, sollten sie doch mal darüber nachdenken, wie viele Menschen bald Hartz IV beantragen müssen, weil sie keine Platten mehr verkaufen. Wohl zu politisch, was?

http://www.myspace.com/shuko

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Kommentare (10)add comment

avira said:

was redet der eigentlich? es ist verboten platten im internet runterzuladen. das problem ist das verbote nichts bringen, die musikindustrie es seit mitlerweile ZEHN JAHREN nicht auf die reihe gekriegt hat sich darauf einzustellen und sie so mitlerweile einfach den zug verpasst hat.
die haben ihr boot genauso vor die wand gefahren wie die banken, nur bringt ihr untergang nicht das ganze system aus dem gleichgewicht, und deswegen steckt man ihnen keine milliarden hinten rein.
Juni 26, 2009

8inch said:

frigedifresh!!!
Juni 24, 2009

liebe grüße said:

schönes projekt.
http://www.thebaske.com/index.php?id=126&L=1,0
hier gibt es ein kurzes profil interview mit shuko, feils ihr mehr lesen wollt.:)
Juni 23, 2009

herr mazinsky said:

jutet intaview, altaaa
Juni 22, 2009

Die Autorin said:

Das ist der Sinn der Serie "Gesichter deutscher Rap-Kultur!". Es werden 1 Jahr lang 50 verschiedene "Gesichter" und ihre Sichtweise auf ihre Arbeit und die Kultur, in der sie sich bewegen, vorgestellt. Auch für mich nicht immer einfach auf den Punkt zu kommen und nach 5 Fragen das Interview zu beenden... hihi Aber es ist ein wundervolles Projekt!

Grüße,
Mareen
Juni 22, 2009

TiKay One said:

Warum sind die interviews bei euch immer so kurz? Würde gerne 5 Seiten lesen
Juni 22, 2009

air said:

cooles interview. respekt für die einleitung.
Juni 22, 2009

glück gehabt said:

na wenigstens einer der von mukken leben kann.
Juni 22, 2009

bremer said:

"Aber zurück zur Beef-Sache, die wird sich in Zukunft noch verschlechtern, da immer mehr vom Kuchen wegfällt und dann wird sich halt noch krasser um die Krümel gestritten!"

DENKE ABER, DIE LAGE ENTSPANNT SICH WIEDER!
Juni 22, 2009

nico said:

cooles interview und geile mukke.
Juni 22, 2009

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