| Beathoavenz: "Deutschrap braucht Veränderung!" |
| Geschrieben von: Mareen Wordoff | |||||||||
| Montag, 08. Juni 2009 um 15:27 | |||||||||
![]() 22/250 - Gesichter deutscher Rap-Kultur: Totgeglaubte leben länger - hartnäckig hält sich die Diskussion um das Leben oder Sterben der deutschen HipHop-Kultur. Wann finden wir wieder back zu den roots? Müssen wir uns damit abfinden, dass Rap die einzige Form der Kultur ist, welche überlebt? Ach, wie wir uns schon die Köpfe zerbrochen haben – für unsere einzig wahre Liebe.Nach 27 Interviews mit Gesichtern aus ganz Rap-Deutschland haben wir das Gefühl, langsam eine Antwort auf all die Fragen, die sich uns stellten, zu bekommen. Vielleicht müssen wir den verdammt irrsinnigen Gedanken abschütteln, dass früher alles besser war, dass wir damals mehr Spaß hatten und sowieso auch alles viel realer war. Rap braucht eben ab und zu mal einen Wandel – genau wie jeder Mensch auf dieser Erde. Wie langweilig wären 365 Tage Sonnenschein und Cornflakes zum Frühstück? Dass nicht jeder Wandel gefeiert wird, ist aber doch auch klar. Wir denken: Vor der Veränderung ist nach der Veränderung. Es bleibt also weiter spannend! In Berlin, Kreuzberg habe ich mit zwei Urgesteinen der Berliner HipHop-Szene, den Beathoavenz, über diese Veränderung der Kultur, aber auch über die Arbeit als Produzententeam gesprochen. WildstyleMag.com: Glaubt ihr noch an die Musik, die euch einst Großwerden lassen hat? DJ Perez: Ich würde niemals sagen, dass ich nicht mehr an eine Musik glaube. Wir kommen aus dem HipHop und diesen Ursprung wird man in unserer Musik auch immer hören. Ich schätze die Lage gerade, nicht nur im HipHop sondern auch in der Musikbranche allgemein, als relativ schlecht ein. Vor allem durch das Internet und die ganzen Downloads. Aber die HipHop-Szene in Deutschland ist halt substanziell schlecht geworden. Da hast du zwei bis drei Künstler, die noch gut verkaufen und Geld machen, der Rest ist unrelevant. Die Szene, die in der Juice oder Backspin kommuniziert wird, ist eigentlich keine Große. Viele Leute machen da aber auf große Welle, obwohl sie eigentlich nicht viel verkaufen. DJ Smolface: Sorry, wenn ich dich unterbreche. Ich denke, dass einige, die ein eigenes Label haben und ihre zwei- bis dreitausend Platten verkaufen, schon ein bisschen davon leben können. Aber das ist alles nicht interessant für die Industrie. Selbst wenn man zum Major wechselt und dann sechstausend Platten verkauft, ist dass finanziell kein Unterschied. DJ Perez: Ich denke schon, dass bald wieder ein paar gute Künstler kommen werden. Es gab ja mal eine Zeit, da war Berlin mit seinen Gangstern ganz groß. Den Leuten ging es schlecht, vor allem hier in Berlin, denn hier ist alles abgefuckt und derbe, aber jetzt interessiert sich da draußen niemand dafür. Was ich sehr bemängel ist auch, dass alles wiederholt wird. Es gib kaum neuen Sound, ständig billige Texte und kein neuer Rap-Stil. Der Anspruch der Künstler, aber auch der Hörer ist mit den Jahren extrem gesunken. WildstyleMag.com: Als Produzenten seid ihr auch dafür verantwortlich Künstler zu lenken, sie vielleicht auch ein Stück weit zu inspirieren. Gab es Momente in der Vergangenheit, wo euch die Zusammenarbeit mit einem Künstler nicht gefallen hat oder ihr diese sogar beendet habt? DJ Perez: Wir hatten glücklicherweise immer ein Händchen dafür, so dass wir bevor wir mit den Leuten ins Studio gegangen sind, schon gemerkt haben, ob das passt oder nicht. Wenn man sich unsere Geschichte genau anschaut, dann sieht man ja, dass wir eigentlich nur mit sehr wenigen Rappern aus Deutschland Musik gemacht haben. Wir haben noch nie erlebt, dass wir im Studio mit jemandem standen und dachten „Horror“. HipHop war für uns immer eine Sache der Freundschaft. Deswegen gab es da niemals Streit. DJ Smolface: Aber wenn wir mit jemandem im Studio gearbeitet haben, dann haben wir ihm aber natürlich immer Tipps gegeben, auch wenn das jetzt ein etablierter Künstler war. Da haben wir uns nie abschrecken lassen. DJ Perez: Einer der Gründe, warum wir im HipHop Bereich nicht mehr viel machen ist, das uns persönlich nicht mehr viel anspricht. Es gibt vielleicht eine Hand voll Künstler, die noch authentisch sind. Wir wissen zum Beispiel, dass ein Sido authentisch ist. Oder auch, dass ein MC Bogy, der wirtschaftlich nicht viel Erfolg hat, authentisch ist und seine Geschichten wahr sind. Auch ein Frauenarzt ist so verrückt wie er rüberkommt. WildstyleMag.com: Als Kreativer hat man ja nicht jeden Tag die Superversion und die ultimative Idee zum Erfolg. Wo holt ihr euch nach so vielen Jahren eure Inspiration? Wo sind eure Quellen? DJ Smolface: Mich inspirieren vor allem neuste Sachen die kommen. Wenn man im Internet oder TV wachsam ist, dann bekommt man immer mit, was gerade aktuell ist und dort kann man sich dann auch schon ein paar Anregungen holen. Und natürlich inspirieren wir uns gegenseitig. DJ Perez: Wir kommen ja ursprünglich aus der DJ-Szene und haben dann erst später angefangen Musik zu machen. Wichtig ist uns von daher auch immer in Clubs aktiv zu sein, um genau mitzubekommen, worauf die Leute abfahren. Aber selbst auf der Straße kann man sich so einige Inspirationen holen. Das kann ein Vibe, ein Gefühl sein, wenn man durch die Straßen läuft und die Atmosphäre aufnimmt. Viele Menschen, die nicht aus Berlin kommen, spüren zum Beispiel auch eine ganz andere Lebensform, wenn sie hier am Kottbusser Tor stehen. Das ist ein Gefühl, dass kann man nicht beschreiben. Als Berliner nimmt man das vielleicht manchmal nicht mehr war. Aber es gibt auch Berliner, die das noch spüren - egal ob es hart, lustig oder cool ist. Der Schlüssel zum Erfolg ist, dass man nie satt werden darf. Man muss immer kämpfen und weiter machen. WildstyleMag.com: Wann seid ihr mit einer Produktion zufrieden? Gibt es den Punkt, an dem man weiß, jetzt ist ein Song oder das Album perfekt? DJ Smolface: Dafür gibt es kein Geheimrezept. Man spürt einfach, wenn der Song rund ist. Wenn man immer wieder am Song rumbastelt, dann kann er auch immer schlechter werden. Aber ich bin auch nicht der Typ, der den Song später im Radio hört und denkt, da hätte man noch das oder das machen können. DJ Perez: Wenn ein Song fertig ist, dann hören wir den ja nicht nur im Studio. Wir nehmen ihn mit und hören ihn im Auto oder mp3-Player. Das Schlimmste, was nicht passieren darf ist ein mieser Mix. Das muss dann perfekt sitzen. Mittlerweile ist es so, dass alles was bei uns raus geht, perfekt abgemischt ist und das kann man dann auch noch Jahre später hören. (grinst) Ich mag keine Künstler, die nach Jahre sagen, sie können sich nicht mehr mit ihren früheren Song identifizieren. Ich finde es immer noch geil, wenn Herbert Grönemeyer auf seinen Konzerten "Männer" oder "Alkohol" spielt. Ich kann auch immer noch "Mein Block" hören. Es war für die Zeit damals super. Wir wissen aber auch, dass Sido den Song heute nicht mehr mag. (lacht) WildstyleMag.com: Warum sind in Amerika Produzenten oftmals gefeierte Stars und in Deutschland steht man als Produzent oft im Schatten des Künstlers? DJ Perez: Ich sage, an der Stelle immer gern: Alle kochen mit Wasser, die Amis kochen halt nur mit teurem Wasser. Du hast halt mehrere Komponenten, die dort ineinander treffen. Zum Einen gibt es dort viel mehr Künstler mit denen man arbeiten kann. DJ Smolface: Vor allem im HipHop-Bereich. Und ich würde nicht sagen, dass in Deutschland Produzenten keine Superstars sind. Wenn man nur an Dieter Bohlen oder Alex Christensen denkt. DJ Perez: Das muss man halt im Verhältnis sehen. Im Amerika ist HipHop Mainstream und deshalb sehr im Vordergrund des Musikbusiness. Hier in Deutschland dreht sich vieles um Schlager und Pop. Hier spielt HipHop keine große Rolle. Qualitativ gibt es aber sicher im Vergleich zu Amerika gravierende Unterschiede. Das hat aber hauptsächlich mit dem finanziellen Aspekt zu tun. Dort läuft alles ganz anders. Wenn wir hier einen Song für Jasmin Shakeri produzieren, dann sind an dem Song maximal fünf Leute beteiligt. Jasmin schreibt den Song, wir machen die Musik, dann kommen noch mischen und mastern. Wenn in Amerika ein Album produziert wird, kann es sein, dass an einem Song fünf bis sechs Leute den Songtext schreiben, drei Leute die Gesangsline und so weiter. Da gibt es zum Teil 20 Leute, die an einem Song arbeiten. Da kann dann schon mal eine andere Qualität entstehen. Aber wie gesagt, dort ist HipHop Mainstream und hat eine ganz andere Bedeutung und wirft natürlich dementsprechend auch mehr Geld für die Produktionen ab. www.myspace.de/beathoavenz NÄCHSTEN MONTAG: DUNDEE – "WER BIN ICH, MIR EIN URTEIL ZU ERLAUBEN!"
Lesezeichen setzen
Als Email versenden
Kommentare (8)
![]()
Davy Jones Jr.
said:
|
|||||||||
| ...es wird alles früher oder später eh' wieder zum Ursprung zurückkehren...die ganzen Bushido's mit ihren drittklassigen und sich ständig wiederholenden Texten werden á la Kanye West em Electro-Mud versacken und der Hip Hop sich wieder in gewohnte Gefilde zurück ziehen - also in den Untergrund, wo Hip Hop hingehört...Main Stream macht jeden Musikstyle kaputt, der noch Ideale repräsentiert...momentan erfüllt Deutscher Rap einzig und allein das durch die Pisa-Studie ans Licht gebrachte Anspruchsniveau...Opium für's Volk / Scheiße für die Massen!!! |
bla
said:
|
diese ekelsynthiebeats bauenden typen haben doch dazu beigetregen das das niveau ins bodenlode geht...die messen gute künstler an verkäufen, das ist doch die dümmste kacke überhaupt. PS die beats sind absolute scheise |
lupus76
said:
|
sido ist auch nur das bekannteste beispiel für einen armseeligen trend: opfer werden gefeiert, ob sie dabei authentisch sind, macht sie nicht weniger zu opfern. aber sehr schönes interview. big up. |
chino
said:
|
"Es gib kaum neuen Sound, ständig billige Texte und kein neuer Rap-Stil. Der Anspruch der Künstler, aber auch der Hörer ist mit den Jahren extrem gesunken." DA HAT ER SOWAS VON RECHT!!!! |
Kommentar schreiben














