| Jifusi - "Keine Konkurrenz, nur Kollegen" |
| Geschrieben von: Pauline Staigle | |
| Dienstag, 19. Mai 2009 um 08:49 | |
![]() 24/250 - Gesichter deutscher Rap-Kultur: Es gibt Situationen im Leben, in die wird man ganz unerwartet hineingeworfen. Entweder man scheitert daran, oder man wächst an ihnen. Und manchmal sind diese Situationen mehr, als einfache Gegebenheiten, sondern ändern ganze Bereiche im Leben. Man muss seinen Platz neu definieren, die Persönlichkeit oft gewaltige Sprünge machen, um den veränderten Umständen standhalten zu können. So erging es Rapper Jifusi, dessen Karrierebeginn mehr einem überraschenden Bad im kalten Wasser ähnelt. Und er wächst immer weiter und blickt sowohl reflektiert auf die gemeisterten Herausforderungen zurück, als auch auf das was vor ihm liegt. Wir sprachen unter anderem darüber, als wir uns vor zwei Wochen in Berlin zum Interview trafen.WildstyleMag.com: "Wenn du laufen kannst, kannst du tanzen. Wenn du sprechen kannst, kannst du singen." Glaubst du Musik und Tanz liegt jedem Menschen im Blut, oder bleibt das den speziell talentierten vorbehalten? Jifusi: Ich glaube, das ist ein bisschen von den Genen, die man mitbekommt abhängig. Wobei ich dieses Vorurteil, dass schwarze Menschen besser tanzen und singen können, als weiße für ein Gerücht halte. Das hat auf jeden Fall auch etwas mit dem kulturellen Hintergrund zu tun. Ich denke, in jeder Kultur wird einem Musik anders näher gebracht. In einigen Kulturen ist gerade Tanz sehr steif. Bei mir war das MTV. Ich bin ja bei weißen Eltern mit weißen Geschwistern groß geworden, die haben alle nichts mit Musik zu tun. Aber ich habe schon mit 4,5 Jahren MTV schauen dürfen und habe dann auch direkt eiskalt meinen ersten Moonwalk gemacht. (lacht) Und irgendwann habe ich mich einfach dafür entschieden, Musik zu machen. WildstyleMag.com: In deiner Biographie steht, du kannst dich mit allem was Rap wirklich ausmacht, zu 100% identifizieren. Erkläre doch näher, was das genau für dich ist. Jifusi: Rap bedeutet für mich, dass ich mich auf jeder Ebene auskenne. Ich habe Zugang zu allen vier Elementen, die Rap für mich auch mit ausmachen. Und Rap ist für mich auch der Gedanke von Community. Ich bin voll und ganz Rap. Und ich habe von Anfang an gesagt: Ich habe keine Konkurrenz, ich habe nur Kollegen in dem Geschäft. Wenn man zusammenarbeitet, bereichert das einfach alle Beteiligten, anders als wenn man die ganze Zeit alleine an einem Strang zieht. Das ist für mich Rap. Die Suche nach Gleichgesinnten. Mir ist es immer wichtig, dass ich mich mit Leuten umgebe, die die gleichen Interessen haben, wie ich. Und das ist im Moment Rap. WildstyleMag.com: Wie sehr schätzt du die Arbeit mit Freunden? Jifusi: Ich arbeite ja prinzipiell nur mit Freunden zusammen. Aber ich bin ein sehr umgänglicher Mensch. Selbst wenn ich Künstler neu kennen lerne, bin ich sehr schnell warm mit ihnen und bis es dann dazu kommt, dass ich Musik mit ihnen machen, ist das dann meistens auch schon gefestigt. Mir ist es auch wichtig, Leute einfach zu fördern, die das verdient haben. Wenn das Freunde von mir sind und ich kann irgend etwas für sie tun, dann tue ich das natürlich. Das ist mir auch wichtiger, als ein bekanntes Feature auf meiner Platte zu haben, als ein Feature von jemand, der mir wirklich am Herzen liegt. WildstyleMag.com: Gab es Momente, in denen du an dieser Identifikation gezweifelt hast? Was hat dich bis heute in deinem Glauben an Rap bestärkt? Jifusi: Es gibt immer wieder Momente, in denen man zweifelt. Man macht das ja Tag für Tag und mal kommt einem der Erfolg mehr vor, mal weniger. Es gibt einfach Tage, in denen ich mir denke: Warum mache ich das eigentlich? Musik, in dem Stadium, in dem ich das mache, ist einfach auch ein brotlose Kunst. Am Ende des Tages versucht jeder, Leute zu erreichen und hofft, das sie seine Sachen mögen und kaufen, was heutzutage sowieso komplett wahnsinnig ist. Also kann ich mir eigentlich nur noch die Mühe machen und sagen: Ich will die Leute im Rap erreichen und sehen, die kommen auf meine Konzerte. Und das ist dann die Einnahmequelle, von der ich durch Musik leben kann. Aber das was im Moment auf Viva und MTV stattfindet ist schon lange nicht mehr meine Welt. WildstyleMag.com: Du hast bereits mit 17 deine ersten Schritte im Game gemacht. Welche Momente waren besonders prägend? Jifusi: Mein Werdegang ist ja eh schon komplett verrückt. Ich bin ja nie einer von diesen Rappern, die drei Jahre in ihrem Keller Musik gemacht haben, bevor sie entdeckt wurden. Ich habe meinen ersten Auftritt mit Meli von Skillz En Masse in der Schweiz vor 3000 Leuten gespielt. Mein zweiten Auftritt habe ich im Vorprogramm von Jan Delay gespielt. Bei mir ging das alles sehr schnell, ich habe einfach viele große Leute in dem Ding kennen gelernt, die aber auch irgendwie überzeugt von mir waren. Und dadurch habe ich schneller einen Stellenwert eingenommen, als mir lieb war. Von daher hat mich eigentlich fast jeder Moment geprägt. Aber am meisten hat mich die Takeover-Tour geprägt. An der bin ich krass gewachsen. Ich war 31 Tage mit Savas und der kompletten Optik Army unterwegs und ich habe da gelernt, wie man mit Menschen umgeht, das war für mich das Prägenste überhaupt. WildstyleMag.com: Vielen Dank! www.myspace.com/jifusiworld NÄCHSTEN MONTAG: DRA-Q: "ICH LEBE MIT HIP HOP!"
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