Bacapon - "Musik hat mein Leben gerettet"
Geschrieben von: schoki   
Montag, 04. Mai 2009 um 16:05
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Bacapon - "Musik hat mein Leben gerettet"
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Es ist schade, dass der Hype, der um Gangster-Rap herum entstanden ist, die echten O.G.s in den Schatten gestellt hat, sie lächerlich...

...gemacht hat, sie unglaubwürdig gemacht hat. Doch diejenigen, die wirklich eine kriminelle Vergangenheit hinter sich haben, identifizieren sich auch nicht mit dem Gewalt verherrlichenden Mainstream-Gangster-Rap. Bacapon aus Hamburg ist einer von denen, der sich abwendet von stumpfem Ghetto Gerede, sondern mit seiner Musik mehr sagen will, als wie es in Hamburg Süd aussieht. Seine Geschichte ist traurig, sein Werdegang interessant, sein Wille stark. In dem Großstadtdschungel Hamburgs hat er sich schon einen Namen gemacht, seit dem 24.04.09 steht sein Album "Raubtiermuzik" in den Läden um auch den Rest Deutschlands davon zu überzeugen, dass Gangster-Rap nicht gleich Gangster-Rap ist.

WildstyleMag.com: Bacapon - "Raubtiermuzik" - der Name erinnert an Al Capone, Raubtiermuzik an Gangsterrap, so wie die Klischees davon erzählen.  Wie würdest du deine Musik beschreiben?

Bacapon: Wir sind mit diesem üblichen Gangster-Film groß geworden. Nicht Spiderman war unser Vorbild, sondern Tony Montana und Al Capone. Der Titel des Albums lässt sich mit der Stadt und unserer Gegend hier erklären. Wir kommen aus einem bestimmten Umfeld, das sich einen negativen Namen gemacht hat. Das kann ich leider nicht ändern. Wir leben in einer Großstadt, die man mit einem Dschungel vergleichen kann, mit all ihrem Wirrwarr, ihren Gefahren und  ihren kleinen Tierchen. Wir sind im Großstadtdschungel und ich mache Großstadtmusik, also Raubtiermuzik.

WildstyleMag.com: Was unterscheidet dich dabei von anderen Künstlern, die Gangster-Rap machen?

Bacapon: Das ist die Frage, die mir öfters gestellt werden wird. Wenn wir über den Begriff Gangster-Rap reden, müssten wir davon ausgehen, dass alle, die über diese bestimmte Thematik reden, vollkommen gleich sind. Das glaube ich aber nicht. Ich denke die Mehrheit glorifiziert ihren Lebensstil oder versucht ihn in einem schönen Licht darzustellen. Ich hingegen habe viele Sachen selber erlebt, ich war selber an diesen Machenschaften beteiligt und wäre der Letzte, der will, dass mein kleiner Bruder dasselbe durchmacht. Von daher stelle ich zwar dar, was hier passiert und vermittle die Wahrheit, die ich erlebe, aber ich heiße sie nicht gut. Ich bin gegen diese Umstände und versuche die Jugendlichen davon abzuhalten.

WildstyleMag.com: Du willst Verantwortung übernehmen?

Bacapon: Mit Sicherheit. Es gestaltet sich schwierig realitätsgetreu über mein Leben zu rappen, ohne die Verbrechen zu erwähnen. Man kann das Problem nicht umgehen, dass manche sich ihre eigene Lektion aus den Texten suchen. Gerade Jugendliche zwischen 14 und 16 finden diese ganzen Geschichten natürlich cool und ziehen nicht nur das Positive da raus. Aber ich bin mir bewusst, dass ich die Möglichkeit habe 100.000 Jugendliche in einem sehr gefährlichen Alter zu erreichen, wenn sie meine Musik hören.

WildstyleMag.com: Was vermittelst du denn abgesehen von deinen Erfahrungen?

Bacapon: Ich finde es gibt in diesem Land noch keine ernsthafte Plattform für Leute aus meinem Kreis, sei es politisch oder auch kulturell. Wir sind noch nicht wirklich als ein Teil dieser Gesellschaft angenommen worden. Rap-Musik wurde ja unter ähnlichen Problemen auf einem anderen Kontinent entwickelt, von und für Leute, die nicht die Möglichkeit hatten sich politisch zu äußern. Das Medium Musik wurde demzufolge dafür genutzt. Genauso ist es auch mein Ziel, unser deutsches Bewusstsein, unser ausländisches deutsches Migrantenbewusstsein, kulturell offen zu legen und anzusprechen, dass wir Ziele in diesem Land haben und ein Teil dieser Gesellschaft und Kultur sind. Musik bietet hierfür eine sehr gute Möglichkeit. Ich versuche mich in diesem Land politisch bemerkbar zu machen.

WildstyleMag.com: Was hat in Deutschland, was die Migrantenpolitik betrifft, nicht geklappt bzw. was ist extrem schief gelaufen?