Abroo - "Die A- und B-Seite des Lebens"
Geschrieben von: Mareen Wordoff   
Montag, 12. Januar 2009 um 12:11

41/250 - Gesichter deutscher Rap-Kultur: Es gibt Menschen, die scheinen immer auf der Sonnenseite des Lebens zu wandern, denen scheint es Zeit ihres Lebens gut zu gehen.

Beschäftigt man sich mit dem Werdegang von Abroo, lernt man schnell: Es gibt auch Schattenseiten. Betrachtet man dann aber den Plattenbau Ost Homie etwas ausführlicher, entdeckt man einen mutigen Menschen, für den Glück im Leben reine Definitionssache ist.

WildstyleMag.com: Wie würden dich deine Freunde in 3 Worten beschreiben?

Abroo: Na, das ist ja eine ganz miese Frage. (lacht) Da müsste man wohl besser meine Freunde fragen. Aber ich denke, dass sie sagen würden, ich sei zum einen herrschsüchtig und unvernünftig, aber zu 100% zuverlässig. Das ist ne gute Mischung finde ich. (grinst)

WildstyleMag.com: Erinnerst du dich noch an den Moment, als du das erste Mal mit Rap Musik in Berührung gekommen bist?

Abroo: Daran erinnere ich mich noch ganz genau. (grinst) Das war in Berlin Hohenschönhausen im Sportforum. Da war damals ich im Internat und irgendeiner hat zwischen dem ganzen Depeche Mode und Störkraft Zeug, was wir alle wir die Bekloppten gepumpt haben, eine Public Enemy Kassette eingelegt. Ich glaube, das war 1990. Die A-Seite des Tapes war komplett mit Public Enemy Tracks bespielt. Das war eines der geilsten Erlebnisse meines Lebens und hat mich extrem cool geflasht. Seit dem ist HipHop aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken. (freut sich)

WildstyleMag.com: Als du damals auf diesem Sportinternat warst, war es da dein Traum Sportler zu werden?

Abroo: (überlegt) Ich weiß nicht, im Osten hat man den Kindern Sportgeist und Disziplin schon von klein auf an nahe gelegt. Eigentlich wurden wir schon in der Grundschule regelrecht gedrillt. Da kamen dann ab und zu Talent-Scouts oder wir auch immer die sich damals nannten, vorbei. Die hatten so einen richtig krassen Namen, irgendwas mit "Abschnittsbevollmächtigter der Sportindustrie". Die Vögel haben sich dann die Kinder beim Sport angeschaut, die Besten rausgepickt und gefördert. Jedes Kind wurde in Sportarten eingeteilt.

Ich konnte besonders gut Fechten und die meinten bei mir ein Talent zu entdeckt zu haben. Mit 9 Jahren habe ich dann damit professionell angefangen. Ich hatte aber nie ein Idol oder Vorbild im Sport. Ein großer Grund war wohl auch, dass meine Eltern das toll fanden. Wie das halt so ist, wenn man als Kind noch nichts zu melden hat. (grinst)

WildstyleMag.com: Gibt es etwas, was dich richtig ankotzt wenn du daran denkst? Etwas, das  dir absurd und ungerecht erscheint auf dieser Welt?

Abroo: Ich bin bei der Frage jetzt mal komplett egoistisch und labbere nichts von Krieg oder Weltverbesserungsmist und kehre mal vor meiner eigenen Tür. Die größte Ungerechtigkeit und was mich selbst so krass ankotzt ist, dass ich weiß, dass mein Vater einen dicken BWM fährt, ich aber heute in der Apotheke war um Medizin und Windeln für meine Mutter zu kaufen.

Und das habe ich größtenteils von Geld aus Feautures bezahlt. Dazu muss man wissen, dass meine Mutter schwerbehindert ist und wir keinerlei Kontakt zu meinem Vater haben, er aber auch kein Unterhalt zahlt. Er scheißt auf mich und auf meine Mutter. Das ist kein geiles Gefühl. Ich sehe meine Mutter jeden Tag und ich weiß, was es heißt zu kämpfen und nicht aufzugeben. Er hingegen hat sich einfach verpisst. Das tut weh.

WildstyleMag.com: Wenn du dir rückblickend dein Leben anschaust, siehst du einen glücklichen Menschen?


Abroo: Ja, würde ich sagen. Das liegt aber wohl daran, dass man am Ende oft nur das Positive sieht und alles Schlechte komplett ausblendet. Klar gibt es hier und da einschneidende Sachen, die man nicht vergisst. Wie zum Beispiel, die Freundin lässt ein sitzen, die Sache mit meinem Vater oder man bleibt in der Schule sitzen. Aber im Grunde genommen, ging es mir immer gut.

Wenn man mit Freunden in der Runde zusammen sitzt und über alte Zeiten labbert, dann fallen einem ja auch immer nur die witzigen Geschichten ein und man schmeißt sich vor lachen weg. An Stress denkt da keiner. Kurz und knapp: Mein Leben ist wie ein Tape. Es besteht aus einer A Seite mit Top Song und einer B-Seite mit mittelmäßigen Tracks. Aber alles in allem eine runde, gelungene Sache. (grinst)

WildstyleMag.com: Ich danke dir, mein Guter!

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Kommentare (5)add comment

coco said:

wundervoll!
Januar 12, 2009

Chris said:

Sehr krass ehrliches Interview. Ich mag den Typ!
Januar 12, 2009

egon said:

jo
hätte man aber auch beim nächsten aldi machen können mit dem, der vor einem ansteht :-)
aber was soll man auch labern!?

greetz
Januar 12, 2009

ehrlich said:

find ich voll cool, dass man auch mal diese seiten von rappern kennenlernt. nicht immer nur obercool und ja soooo glücklich. weiter so wildstylemag.
Januar 12, 2009

knut said:

sehr geiles interview, mareen. abroo ist richtig cool!
Januar 12, 2009

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