| Tot, toter, Hip-Hop - Wie Rap zu sterben gelernt hat |
| Geschrieben von: Pasu | |||||||||
| Mittwoch, 13. Januar 2010 um 00:00 | |||||||||
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Mit einem Gefühl irgendwo zwischen (altersbedingter?) Distanz und entspannter Emotionslosigkeit habe ich - wie viele scheinbar auch - den Artikel "Tot, toter, Hip-Hop" in der Süddeutschen gelesen. Viele scheinen ihn gelesen zu haben. Manche vielleicht sogar bis zum Ende, um dann überrascht festzustellen, dass Autor Jens-Christian Rabe Rap-Musik durchaus gute Noten attestiert, ganz anders, als es der unkernige Titel vermuten lassen würde.
Immerhin sei das "Neue, Überraschende, das bis eben noch für unzumutbar und unfertig Erachtete" nach wie vor das oberste Ziel. Für welche Kunstform lässt sich das noch so unbedingt sagen, fragt er, um anschließend mit einem Blick in die Kristallkugel zu orakeln: "Und die Unruhe, die die Sphäre so eilig erfasst, wenn die Innovationen ausbleiben, wird auch in Zukunft Bedingung und Quelle für erstaunliche Popmusik sein." Schlecht klingt das nicht und setzt zumindest ein gesundes Maß an Innovationsfreudigkeit voraus. Alles gut also? Rabe wusste natürlich, was er mit seiner Totschlag-Theorie "Tot, toter, Hip-Hop" in einer gebetsmühlenartig am Leben erhaltenen Szene auslösen würde, die jederzeit mit Inbrunst dabei ist wenn es darum geht, ausgiebig über sich selber zu diskutieren, zu rappen und neuerdings auch zu singen. Da sich für jede Grabesrede aber unzählige Gegenbeispiele finden lassen, beschränkt er sich bei seiner Künstler-Auswahl auf den Bereich, der Ottonormalkonsument nunmal zugänglich ist - der Pop - womit die Masse an kreativem Radikalpotenzial unterhalb der Top20 hinten rausfällt und ein paar Wie unnötig es in Wahrheit ist, die Kommentarspalten als Gegenbeweis mit den unzähligen StonesThrowAnticonRhymesayers-Beispielen zu fluten, zeigt Eberhard Lauth in seinem Artikel "Ist der HipHop tatsächlich tot? Falsche Frage!". Darin geht er dem Kern solch immer wieder aufkeimender Diskussionen auf den Grund. "Sie gehen von einem Pop-Mainstream aus, der von so etwas wie ´dem einen´ HipHop-Sound geprägt ist. Sie schwelgen in den Neunzigerjahren, in denen solche steilen Thesen noch möglich waren. Und sie vergessen, dass in den Nullerjahren im Pop höchstens eines über den Jordan gegangen ist: der Mainstream eben, egal welcher." Lauth begründet seine These mit radikal veränderten Rezeptionsmustern: Die vorherrschende Dominanz der Big Player ist gebrochen und Musik wird heute in alle Richtungen kommuniziert. Pop sei heute ein "unübersichtliches Archipel von Genres, Szenen und Codes, die sich schon allein durch ihre dezentrale Netzwerkstruktur auf keinen gemeinsamen Nenner mehr einigen können", stellt er fest. Insofern sei es müßig, den Argumenten der Autoren zu widersprechen - sei es denen von Rabe in der Süddeutschen, oder denen der darin zitierten Artikel "Wrapping Up - A genre ages out" (The New Yorker) und "When will hip-hop hurry up and die?" (The Guardian). Dass Rabe freilich die Begriffe Hip-Hop und Rap verwurschtelt, als wäre es dasselbe, tut dann auch niemandem mehr weh. Jeder von uns ist unwissend, nur auf verschiedenen Gebieten. Halten wir fest: Alles halb so wild. Vielleicht ist es wirklich nur die Enttäuschung darüber, "für wie selbstverständlich die Versöhnung von Avantgarde und Erfolg im Pop noch immer gehalten, gefordert, angestrebt und sogar erreicht wird." Die Avantgarde wird den Kürzeren ziehen. Und Rap wird wieder sterben, früher oder später. Ergänzung: Ein Kommentar von JUICE-Autor Oliver Marquart auf WSM-Facebook: "Der Artikel bezieht sich auf HipHop als Motor für den Mainstream, als einflussreiches Genre - und die Zeiten sind wohl allerdings vorbei. Genau wie Jazz wird es HipHop sicher weiter geben, aber eben nicht mehr als "Leitkultur". Kein Grund zur Panik für alle Realkeeper also..." Kommentare (5)
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Eagle
said:
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@ kk: word! wobei die leidenschaft hier und da noch aufflammt. @ pasu: letztlich sind die Gründe und Motive für das lauthals Mitteilen nicht entscheidend, da wir eh nur mit dem Gesagten "arbeiten" (darauf reagieren) das gleiche gilt für die headline. eigentliche intention des autors verliert an bedeutung, sobald die interpretation von lesern und kommentatoren resonanz erzeugen... |
kk
said:
| ich denke hiphop ist mit uns älter und damit gleichgültiger geworden. Dem nachwuchs fehlt der Bezug und uns die Leidenschaft eines teenagers. Dies jedoch an jayzs verkäufen und verkäufen überhaupt zu messen ist falsch. Wenn etwas wie HipHop stirbt dann muss es in den Köpfen sterben, die attitude wie man so schön sagt. Tuts aber nicht, wir beißen uns einfach nicht mehr so fest wie pitbulls in unsere Jeru-mastaace plattenkisten, doch wir wissen was sie uns bedeuten und darauf kommt es an. |
kk
said:
| ich denke hiphop ist mit uns älter und damit gleichgültiger geworden. Dem nachwuchs fehlt der Bezug und uns die Leidenschaft eines teenagers. Dies jedoch an jayzs verkäufen und verkäufen überhaupt zu messen ist falsch. Wenn etwas wie HipHop stirbt dann muss es in den Köpfen sterben, die attitude wie man so schön sagt. Tuts aber nicht, wir beißen uns einfach nicht mehr so fest wie pitbulls in unsere Jeru-mastaace plattenkisten, doch wir wissen was sie uns bedeuten und darauf kommt es an. |
Eagle
said:
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solche überschriften wie "tot, toter, hip-hop" verschärfen meiner meinung nach nur die grenzen zwischen hip-hop und nicht-hiphop. aber wo sind denn heute noch alle elemente auf einer jam aktiv? zum juicekommentar: ich würde nicht sagen, dass hip-hop den anspruch einer leitkultur gestellt hat, und ich glaube, dass Realkeeper und Panik sich automatisch ausschließen. |
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