Kaas - "Hass ist Liebe in Spiegelschrift"
Geschrieben von: Mareen Wordoff   
Donnerstag, 26. Februar 2009 um 12:05
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Kaas - "Hass ist Liebe in Spiegelschrift"
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Hass ist das Gegenteil von Liebe. Wer hasst, der verabscheut nicht nur Menschen, wer hasst, der möchte verletzten und rächen. Doch welchem Ursprung entspringt Hass?

Abscheu, Neid, gekränktem Ehrgeiz oder verschmähter Liebe? Oft ist starke Antipathie das Ergebnis einer tiefen Verletzung, eine Reaktion auf eine Situation, der man kraftlos gegenüberstand. Wenn man mit Kaas über sein Leben spricht, dann spürt man, dass er genau weiß, wie sich diese Form der Emotion anfühlt. Eine lange Zeit lief er mit großer Verachtung anderen Menschen gegenüber durchs Leben. Zu gut kennt er das Gefühl "nicht gemocht zu werden" und "nicht zu mögen". Doch er hat gelernt: Auf seinem Weg durchs Leben hat er erkannt, dass reaktiver Hass nicht zum Ziel führt - stattdessen hat er gekämpft. Gekämpft für seine Vorstellung vom Leben und von der Liebe. Auf seiner eigenen spirituellen Reise erkannte er sein "wahres Ich" und schuf die Tugend aus Hass Liebe zu produzieren. Liebe für die Menschheit. Liebe für eine bessere Welt.

Ein ungewöhnlicher Einblick in das Gedankengut eines Rap-Künstlers - der sich dann doch wieder nicht unbedingt als Rapper versteht. Treffpunkt: Eine Pizzeria in Berlin-Friedrichshain.



WildstyleMag.com: Du warst vor kurzem beim Pre-Listening Konzert von Massiv in Berlin. Bist du ein Fan von ihm?

Kaas: Man kann schon sagen, dass ich ein Fan von Massiv bin. Er ist ein sehr sympathischer Mensch, wenn man ihn mal persönlich kennengelernt hat. Das Konzert war zum Anfang schon relativ rap-mäßg, viel Rumstehen, neue Tracks hören die keiner kennt. Aber das ist generell ein Problem bei Pre-Listening Konzerten, man kennt halt die Songs nicht (lacht). Die letzten Tracks kannten dann die Leute wieder und da wurde auch gefeiert. Vielleicht hätte er gleich am Anfang die bekannten Songs spielen sollen. Dann wären die Leute mehr abgegangen.

WildstyleMag.com: Wie fandest du "M.A.S. Techno"?

Kaas: Der hat mir nicht so gefallen. Ich muss ehrlich sagen, dass das der schwächste Song war.

WildstyleMag.com: Wie schätzt du das neue Album ein?

Kaas: Das kann ich schwer beurteilen. Der Sound war auch relativ schlecht. Ich habe Tinnitus und immer Ohrstöpsel drin. Die musste ich die ganze Zeit fest ins Ohr drücken, damit ich was verstehen konnte.

WildstyleMag.com: Was magst du an seiner Musik?

Kaas: Am Anfang fand ich seine Musik extrem gruselig: "Messer aus der Tasche / Schlägereien bis das Blut kommt." Da hatte ich Angst. Aber, ich finde Massiv hat Seele. Er ist vielleicht nicht der beste Rapper, aber er hat Soul im Blut. Vielleicht wird bei seinem dritten Album alles ein bisschen zu kommerziell und dadurch geht die Seele verloren. Ich habe das Gefühl, jetzt wird es zu mainstream.

Er hat ja auch selbst gesagt: "Massiv wird jetzt massentauglich." Mir war das Konzert am Ende ein bisschen zu poppig. "Wenn der Mond in mein Ghetto kracht" war ein geiler Track. Sein erstes Album war auch der Hammer. Ein Hit jagte den nächsten und die Videos waren unfassbar gut. Massiv war in seinen Songs immer sehr positiv. Das mochte ich an ihm so.

Innerhalb der mir fremden Ghettowelt, mit all der Straßen-Attitüden und  den Werten, denkt er positiv. In einem Song auf dem ersten Album sagt er: "Egal ob Araber, Kurde oder Deutscher. Ab jetzt zählt nur noch Freundschaft." Das gefällt mir sehr. Ich denke, er hat ein gutes Herz.



WildstyleMag.com: Lass uns auf dich zu sprechen kommen. Wer ist eigentlich Kaas? Wie bist du auf den Namen Kaas gekommen?

Kaas: Mein richtige Name ist ja Lukas Josef. In der peinlichen Rapperfindungsphase habe ich mich damals Lu-kas genannt. (Gelächter)

WildstyleMag.com: So wie Bundes-Rap-Publik?

Kaas: Ganz genau diese Zeit. (lacht) Ich hatte damals einen Song, da hat der Name nicht mehr reingepasst. Dann habe ich mich nur noch Kaas genannt. Außerdem gab es auch Ras Kass. Das war so ein Rapper. Der hatte aber viel Pech mit seinem Label und ist irgendwie nie groß raus gekommen. Na auf jeden Fall dachte ich mir, bleib doch bei Kaas. Ich wollte aber auch einen Namen haben, der schon was auf dem Buckel hat.

Also habe ich ihn gegoogelt oder irgendwo gesehen... (verliert den Faden) Kennt ihr den Namen Patricia Kaas? Sie ist eine französische Klassik-Sängerin. Das ist ein Name, der schon Erfolg hatte. Meine Gedanken waren also: "Okay, das ist was Erfolgreiches". Kaas mit Doppel A: Dann nenne ich mich ab jetzt Kaas. (grinst)

WildstyleMag.com: Marketingstrategisch ein sehr guter Ansatz.

Kaas: Ja klar, ich bin ein Stratege. Ich bin berechnend. (lacht) Drei Wochen später habe ich dann erfahren, dass Kaas auch Käse in den Niederlanden und der Schweiz heißt. (lacht)

WildstyleMag.com: Magst du was trinken? Ein Bier?

Kaas: Nee, ich trinke kein Alkohol. Ich bin so ein exzentrischer Mensch, da kommt das nicht gut. Bei mir hat Alkohol zwei verschiedene Wirkungen: Entweder bin ich ganz still oder ich dreh durch. (lacht) Drogen bekommen mir einfach nicht.

WildstyleMag.com: Da kommt dann wohl der Pole in dir durch?

Kaas: Das kann echt sein, da hast du Recht. (lacht)

WildstyleMag.com: Schade. Wir hatten vor dich abzufüllen.

Kaas: Haha, nach fünf Bier würde ich euch echt alles erzählen.

WildstyleMag.com: Bist du privat anders als in der Öffentlichkeit?

Kaas: Ich versuche eigentlich schon relativ ich zu sein. Aber oft frage ich mich auch: "Wer bin ich?" (nachdenklich)

WildstyleMag.com: Hat man als Künstler nicht Angst sich zu geben wie man ist? Verliert man nicht ein Stück sich selbst dabei?


Kaas: Nee, das habe ich nicht. Das ist meine Philosophie: Ich mache Musik aus dem Grund eine Identifikationsfigur für Menschen zu sein, die Ähnliches erlebt haben wie ich. Als ich noch jünger war, habe mir das oft gewünscht jemanden zu haben, mit dem ich mich identifizieren kann. Ich habe es geliebt, wenn jemand für mich gesprochen hat.

Meist dachte ich dann: "Wow, ich bin nicht allein mit meinen Gedanken. Da gibt es jemanden, der das auch durchmacht." Und genau das ist meine Herangehensweise. Ich will niederschreiben, was Menschen bewegt.

WildstyleMag.com: Gab es damals auch musikalisch Menschen die dir aus der Seele gesprochen haben?

Kaas: Schwer zu sagen. Deshalb habe ich eigentlich angefangen Musik zu machen. (lacht) Es gab irgendwie niemanden. Höchstens einzelne Songs, die meine Gedanken aufgegriffen haben. Eminem zum Beispiel mir dem Loser-Song auf seinem ersten Album. In dem Song beschreibt er, wie er mit Absicht nachsitzt, um nicht aus der Schule gehen zu müssen, weil da ein Typ steht, der ihn verprügeln will. Im weitesten Sinne war das genau das, was mich damals ansprach. Oder das erste Kanye West-Album "The College Dropout". Ich wollte immer Musik machen, bei der sich auch die coolen Leute angesprochen fühlen.


Mein neues Album habt ihr noch nicht gehört, oder? Wir haben diesmal keine Presse-Exemplare rausgeschickt. Nach dem Orsons-Desaster sind wir sehr vorsichtig geworden. Wir haben damals vor dem Release CDs verschickt und dann wurde das Album im Internet hochgeladen. Das war eine richtige Katastrophe.

WildstyleMag.com: Davor kann man sich schützen. Deluxe Records benutzt Wasserzeichen, Banjo und Jones haben alle Songs gebrandet. Der Name des jeweiligen Empfängers wurde drauf gesprochen.

Kaas: Haha, letzteres ist ja relativ uncharmant. Sozusagen: "Wenn du mein Album hochlädst, ja dann..." (lacht) Das ist die Jonesmann-bedrohlich-Variante. Ich habe so Angst vor Jonesmann. (lacht) Nein, Spaß! Vor einiger Zeit waren wir in Köln und haben ihn bei der Olli Banjo "Sparring 3" Release Party getroffen. Wir haben neben Jonesmann Autogramme gegeben, er so voll aggressiv, hat immer seinen Gürtel rausgeholt und mit der Schnalle geknallt und gerufen: "Wer will Stress?" (Kaas springt auf, zieht seinen Gürtel aus der Hose und macht ein grimmiges Gesicht) Das war sein Running-Gag. Ich hoffe, ihr druckt das auch ab, wie ich mich hier ins Zeug lege. (Er zieht seinen Gürtel wieder an)



WildstyleMag.com: Glaubst du, dass Kaas bei anderen Rappern wie Bushido, Sido und Co. mit seinen Einhörnern und den Herzchen nicht auch ein bisschen komisch ankommt?

Kaas: Weißt du, da sind wir wieder beim Thema "berechnend". Ich inszeniere mich natürlich ein Stück weit genauso wie diese Jungs. Bushido rappt auch seit drei Jahren vom Straßenleben und Hartz IV, obwohl das nicht seiner Realität entspricht. Und ich habe mir überlegt: Okay, ich mache meine Musik und setze auch einen oben drauf. Das hat gewissermaßen mit den Orsons schon angefangen.

Wir stellen unsere Charaktere wie Karikaturen total überspitzt dar. Ich habe mich ganz arg darin gefunden und auch wohl gefühlt und konnte und wollte keine 16er Battle-Reime mehr schreiben. Ich fühle mich heute einfach falsch wenn ich schreibe "Hey, lass uns batteln / ich hau dir in die Fresse." Heute möchte ich sagen: "Komm lass uns ein nettes Gespräch führen." Und so kam es, dass ich über Liebe geschrieben habe. Liebe in jeder Form.

Auf meine Free EP "Garten der Liebe" gibt ein paar Bonus-Tracks. In einem sage ich: "Im Po einer mexikanischen Traumfrau ist ein Wunder passiert." Der Song ist entstanden, als mich ein paar Homies gefragt haben, ob wir einen Song über Arschficken machen wollen. Und ich dachte mir, ein Song über Arschficken? Das ist für mich dann: "Liebe machen in einen Po". Das ist Herausforderung!

WildstyleMag.com: Dann verrate doch mal: Was ist das Love Movement brought to you by Kaas?

Kaas: Ich möchte eine Sekte gründen, eine neue Religion. (lacht) Nein, das Love Movement kam zu mir. Sachen kommen zu mir. Ich sehe Zeichen. Ich empfange Signale. Die Texte, auf die ich stolz bin, sind die, die allein zu mir kommen. Ich sitze wirklich da und mit einmal erscheinen mir ganze Sätze in Gedanken. Die schreibe ich dann auf.

Mein Geist entscheidet. Dabei entstehen die besten Songs, über die ich mich dann tierisch freue. Und so kam auch das Love Movement zu mir. Ich weiß selber noch nicht was es ist. Ich möchte einfach, dass Leute meine Songs mögen, sich damit auseinander setzten und sich der Sache anschließen. Es ist ein bisschen wie eine Brüderschaft - eine Vereinigung, die nach gewissen Werten lebt. Und ich hoffe, dass es ganz groß wird und alles einnimmt. Dass es den Weltfrieden herstellt.

Vielleicht ist es aber auch nur eine kleine lächerliche Aktion eines dummen Rappers, die aber irgendwann hoffentlich jemanden dazu inspiriert, sich mit Spiritualität auseinander zu setzen, vielleicht irgendeinen 12-jährigen klugen Typ, der sich damit identifiziert, dann ein Buch schreibt, von dem auf einmal die ganze Welt spricht. Ich möchte alle Menschen auf der Welt erreichen - alle sechs Milliarden.


WildstyleMag.com: MTV hat nicht mitgespielt und die Premiere deines Videos "Amokzahltag" zurück gezogen.

Kaas: Das ist das Ding. Ich habe langsam auch wirklich Angst, den Leuten mein Video zu zeigen, weil es ja einen Amoklauf darstellt, obwohl die Message, die ich rüberbringen möchte, sehr dezent darstellt wird. In der ersten Szene geht es darum, wie eine Person, gespielt von mir, sich verabschiedet, danach andere Menschen umbringt und zum Schluss Selbstmord begeht.

Ich weiß, dass das ein kritisches Thema ist, und natürlich wollte es MTV deshalb nicht spielen. Das können die dem Publikum da draußen am Nachmittag auch nicht antun. Wir wollten auch Fotos an Schulen machen, aber die haben alle sehr strenge Auflagen. Ich habe gehört, dass ein Rapper verhaftet wurde, weil er auf irgendeinem Track, der das Thema noch nicht mal beinhaltet, "Erfurt Reloaded" gesagt hat. Die Polizisten sind gleich zu ihm nach Hause gekommen. Ich bin gespannt was passiert.

WildstyleMag.com: Das Thema ist schon nicht ohne.

Kaas: Ja, ich weiß. Selbst meine Mutter hat mich gefragt, ob ich nicht Angst hätte, dass das andere Menschen, wenn sie das Video sehen, nachmachen. Aber ich habe den Song geschrieben und auch das Video dazu drehen lassen, weil ich selbst in dieser Situation war und alle Menschen abknallen wollte.

Ich war kurz davor, anderen Menschen weh zu tun. Ich war verzweifelt und wusste keinen Ausweg. Aber ich habe gemerkt, dass es auch anders funktioniert. Ich habe meine Depression in Musik verarbeitet. Und das möchte ich den Menschen da draußen mit auf den Weg geben. Es ist keine Lösung Menschen einfach abzuballern. Es lohnt sich zu kämpfen.



WildstyleMag.com: MTV hat sich dennoch dagegen entschieden.

Kaas: Man muss sich auch damit auseinander setzen. Es gibt nun mal Menschen, die solche Probleme haben. Als ich das Attentat in Amerika sah, habe ich die Menschen verstanden. Ich war auch kurz davor mir eine Waffe zu kaufen, aber ich hatte meine spirituellen Erlebnisse, in denen ich meine Aggressionen abgebaut habe. Und jetzt sage ich den Leuten einfach nur: Dreht nicht durch! Es wird den Tag geben, an dem ihr beweisen könnt, wie toll ihr seid. Man muss nur daran glauben.

Durch diese Amokläufe zieht sich immer ein bestimmtes Muster. Die Menschen hassen die Coolen. Sie fühlen sich als Außenseiter, hassen die Sportler, die Erfolgreichen. In Littleton haben sie nur die Sportler umgebracht.  Es ist irgendwie ein Selbsthass. Man fühlt sich schuldig, weil man nicht mit sich selber klar kommt, man nicht die Festigkeit im Charakter hat. Das wird dann auf die Menschen projiziert, die einem das Coole vorleben. Im Endeffekt möchte man ja nur einer von ihnen sein. Wer mein ganzes Album hört, der wird merken wer ich bin.

WildstyleMag.com: Heute bist du selbst einer der Coolen, wenn du oben auf der Bühne stehst.

Kaas: Eben, das will ich den Leuten zeigen. Die Menschen, die heute Opfer sind, haben es vielleicht jetzt schwer in der Schule, aber wenn die Zeit vorbei ist, dann sitzen die Coolen an der Aldi Kasse, weil sie sich nicht mehr anstrengen müssen. Das ist doch total oft so. Menschen, die es in der Schule immer schwer hatten, sich anstrengen mussten, haben die Chance etwas aus ihrem Leben zu machen. Sie sind Kämpfer.

So viele große Künstler erzählen heute, dass sie in ihrer Jugend Außenseiter waren. Man muss so etwas erlebt haben, um Großes zu leisten. Und wenn man das nicht durchhält, dann kann man auch nichts Großartiges erleben. Wenn die Jungs aus Littleton noch ein halbes Jahr gechillt hätten und ihre Energie anderweitig genutzt hätten, dann wären sie heute vielleicht die größten Musiker, Comiczeichner oder Pornostars. (grinst) Aber sie haben aufgegeben.


Und deswegen noch mal an alle da draußen: Haltet durch! Man muss erst Schmerz erleiden, um schöne Dinge erleben zu können und um sie dann auch wirklich dankbar annehmen zu können. Wie bei der Geburt eines Babys. Erst Schmerz, dann Schönheit. Ich war früher auch einer der pickeligen Jungs.

WildstyleMag.com: Und dieses Gefühl stellst du durch ein Einhorn mit Brüsten dar, das sich den Arm aufschlitzt, aus dem ein Regenbogen fließ?


Kaas: Die Grafiken bei mir macht mein guter Freund Dani aus Reutlingen. Grüße mal an dieser Stelle. Mit ihm zusammen habe ich auch die Idee zum Cover ausgearbeitet. Das Bild habe ich selbst gezeichnet. Es setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen. Das Einhorn steht für mich, für Kaas. Es ist mein Eyecatcher, mein Jamiroquai, meine Kiss-Zunge, meine Sido-Maske - es ist mein Logo. Ich wollte schon immer ein Tier als Logo und dann kam es eines Tages einfach zu mir. Ich habe nur gewartet bis es da ist. Und nicht zuletzt wegen Michael Ende. Er hat seine Villa ja auch die Einhorn-Villa genannt hat.

Ich habe jetzt auch geplant, dass es auf allen 36 Alben, die ich machen werde, drauf sein wird. (lacht) Mein aktuelles Album beschreibt auch die Wandlung von den Depressionen, weg zum Love-Movement - etwas Negatives wird zum Positiven. So kamen wir auch auf die Idee, aus einem Regenbogen Blut spritzen zu lassen.

WildstyleMag.com: Hast du gewusst, dass wenn man das Blut eines Einhorns trinkt, man unsterblich wird, aber der Preis dafür ein Leben in Einsamkeit ist?

Kaas: Echt? Nein, das habe ich nicht gewusst. Irgendwie schrecklich. Aber auf dem Cover sind ja auch noch Titten zu sehen. Wir haben gedacht Sex verkauft sich gut. Wir haben sie auch extra dick und prall gemacht.

WildstyleMag.com: Deine Zielgruppe sind aber nicht vorwiegend Männer, oder? Ein Freund von mir meinte: "Das Kaas Cover ist das Beschissenste, was ich je gesehen habe."

Kaas: Ganz ehrlich? Das beschissenste Cover der Welt ist gleichzeitig das beste Cover der Welt. Er hätte auch sagen können: "Wer ist das? Kaas? Kenn ich nicht." Aber er kannte es. Weißt du, Liebe ist Hass und Hass ist Liebe - nur von der anderen Seite betrachtet. Reich ist arm und arm ist reich - nur von der anderen Seiten. Es ist beides die gleiche Energie. Und im Mittelfeld halte ich mich nicht auf.

WildstyleMag.com: Warst du früher ein guter oder ein schlechter Schüler?

Kaas: Eher durchschnittlich. Ich habe mich immer für zu klug gehalten um zu lernen. Ich dachte immer, wenn ich wollte dann könnte ich das ganz locker lernen, aber ich hatte kein Interesse daran. Ich denke immer, dass ich alles kann, aber vieles will ich einfach nicht machen.

WildstyleMag.com: Ist es nicht so: Wenn man alles kann, kann man eigentlich nichts?

Kaas: Kann gut sein. Ich bin ja nur Rapper. Meine größten Leistungen hatte ich immer im kreativen Schreiben. Da gab es Bestnoten. (grinst) Aber ich war nur auf der Realschule. Ich wollte zwar anschließen Abitur machen, doch hatte dann eine coole Ausbildungsstelle bekommen und da gab es endlich Kohle.

Ich wusste auch nicht, was ich nach dem Abi hätte studieren sollen. Ich wollte schon immer nichts anderes machen außer Musik und kreative Texte schreiben. Im Nachhinein hätte ich auch irgendwas in diese Richtung studieren können, damit ich noch bessere Texte schreiben könnte.

WildstyleMag.com: Kannst du von deiner Musik leben?

Kaas: Meistens ja. Manchmal hat man wenig Geld, dann hat man wieder richtig viel Geld, und dann mal wieder richtig, richtig wenig. Aber es macht Spaß. Jetzt bin ich vielleicht momentan sehr arm. Aber ich habe ja schon gesagt, arm ist das gleiche wie reich. Wenn man ganz arm ist, dann ist man auch ganz arg reich... vielleicht (lacht). Das hat sich sogar gereimt. (grinst)

WildstyleMag.com: Wo fängt Kaas´ Rap-Laufbahn eigentlich an?


Kaas: Ich sag es ganz ehrlich. Meine Karriere hat mit den Orsons angefangen. Alles davor war Selbstfindungsphase, von der ich mich jetzt komplett distanziere. Da habe ich einfach nur versucht irgendwas zu spitten. Ich wusste immer, dass ich gute Musik machen kann, aber es hat seine Zeit gebraucht. Ich musste mich erst selbst finden. In der Zeit, in der das Orsons-Projekt entstanden ist, habe ich mich erst gefunden.

Ich habe mich wieder wohl gefühlt beim Schreiben und hatte Lust live zu rappen. Davor war es immer: "Ja, geile Punchline, geiler Diss." Aber nichts womit ich mich vor Leuten auf die Bühne stellen möchte. In der Reutling-Crew mit Tua habe ich vorher Musik gemacht, auf John Bello Story Vol. 1 war ich mit drauf. Ansonsten war´s das.


WildstyleMag.com: Welcher Song gefällt dir am meisten auf deinem Album?

Kaas: Der Song über einen verstorbenen Freund. Es war mir sehr wichtig darüber zu schreiben. Damals empfand ich es als schrecklich, wie die Menschen mit seinem Tod umgegangen sind. Er hatte einen Unfall, aber man weiß bist heute nicht, ob es nicht doch Selbstmord war. Und die Leute aus seinem Umfeld haben dann depressive Karten geschrieben und alles war so sehr negativ. Dann habe ich selbst noch eine Karte geschrieben in der drin stand: Wir wissen, dass es dir gut geht und dass du gut aufgehoben bist - wo auch immer.

Ich wollte einfach, dass die Leute im positiven Sinne an ihn denken. Er war für mich der erste Mensch in meinem Umfeld, der von mir gegangen ist, und mir war klar, dass er nur auf einer anderen Ebene ist und merkt was wir tun. Ich wollte einfach nur die Gedanken der Menschen in eine andere Richtung lenken. Keiner weiß, was kommt nach dem Tod kommt. Und das gilt auch für andere Menschen, die eine Person, die sie lieben, verlieren. Der Song heißt „Für Uwe“. Ich wusste nicht, wie ich ihn sonst nennen sollte.

WildstyleMag.com: Das Jahr 2009 - ein paar Worte...

Kaas: Das Einzige was existiert, ist das Jetzt. 2009 ist eine Illusion. Das einzige was existent, ist das wir jetzt hier an einem Tisch mitten in Friedrichshain, Berlin sitzen und ein schönes Gespräch führen und Spaß haben. Dieser Moment verändert sich die ganze Zeit und ich hoffe, dass er immer schön bleibt.

WildstyleMag.com: Was wirst du an dem Tag des Album-Releases tun?

Kaas: Das ist ein Freitag. Gute Frage. Ich hoffe ich habe einen Gig. Vielleicht machen wir vorher eine Pre-Listening Tour durch Shops in Deutschland. Aber eigentlich will ich einfach nur feiern, glücklich sein und das Love-Movement zelebrieren.

WildstyleMag.com: Kaas, vielen Dank für das Gespräch!

IM SHOP: Kaas - Amokzahltag :D (CD)

"Amokzahltag : D" beschreibt eine Gradwanderung vom Dunkeln ins Licht. Vom Amokläufer zum Erleuchteten. Aber auch vom Opfer zum Täter. Dieses Album ist dunkel, düster und traurig. So lange bis es Liebe verbreitet und Hoffnung gibt. Gäste sind Kool Savas und Vasee.

Kommentare (9)add comment

@ der typ said:

seh ich genauso, das video wo die tusse ihm einen blässt im video ist der größte beweiss dafür das er ein vollspast ist, genauso image wie bushido.
März 03, 2009

rme23 said:

kaas ist einfach der beste! das album wird auf jeden fall n hammer werden ....LIEBE !
Februar 27, 2009

chin said:

geiles interview... kaas is super.
Februar 26, 2009

max said:

ich find kaas genial
Ich liebe seine musik grade wegen der positiven message und dem doch manchmal eigenartigen image das es vertritt...
Februar 26, 2009

max said:

ich find kaas genial
Ich liebe seine musik grade wegen der positiven message und dem doch manchmal eigenartigen image das es vertritt...
Februar 26, 2009

der typ... said:

ist einfach nur ein Spasst... Tut mir leid.... Aber der is der Steve Urkel des deutschen Raps... Ich fühle mich von seiner "Musik" als Rapfan verarscht... Dieser ganze Image-Dreck ! Der "Aussenseiter-Rapper" mit der sphärischen Aura. Der is kein Stück realer als Bushido oder Fler...
Februar 26, 2009

@drx said:

der song für seinen freund war keine satiere
Februar 26, 2009

love language said:

ein sehr sehr symphatischer zeitgenosse!
Februar 26, 2009

Drx said:

ach der kaas ist ein guter :)
wird zum release gekauft :)

P.S. Der rapper war timmie hendrix von pimpulsiv bei dem die kripo stand, allerdings wurde in dem track auch eine lehrerrin namentlich erwähnt, aber aus dem kontext hätte man raushören können das dies nur satiere war.
Februar 26, 2009

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