Kaas - "Hass ist Liebe in Spiegelschrift"
Geschrieben von: Mareen Wordoff   
Donnerstag, 26. Februar 2009 um 12:05
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Hass ist das Gegenteil von Liebe. Wer hasst, der verabscheut nicht nur Menschen, wer hasst, der möchte verletzten und rächen. Doch welchem Ursprung entspringt Hass?

Abscheu, Neid, gekränktem Ehrgeiz oder verschmähter Liebe? Oft ist starke Antipathie das Ergebnis einer tiefen Verletzung, eine Reaktion auf eine Situation, der man kraftlos gegenüberstand. Wenn man mit Kaas über sein Leben spricht, dann spürt man, dass er genau weiß, wie sich diese Form der Emotion anfühlt. Eine lange Zeit lief er mit großer Verachtung anderen Menschen gegenüber durchs Leben. Zu gut kennt er das Gefühl "nicht gemocht zu werden" und "nicht zu mögen". Doch er hat gelernt: Auf seinem Weg durchs Leben hat er erkannt, dass reaktiver Hass nicht zum Ziel führt - stattdessen hat er gekämpft. Gekämpft für seine Vorstellung vom Leben und von der Liebe. Auf seiner eigenen spirituellen Reise erkannte er sein "wahres Ich" und schuf die Tugend aus Hass Liebe zu produzieren. Liebe für die Menschheit. Liebe für eine bessere Welt.

Ein ungewöhnlicher Einblick in das Gedankengut eines Rap-Künstlers - der sich dann doch wieder nicht unbedingt als Rapper versteht. Treffpunkt: Eine Pizzeria in Berlin-Friedrichshain.



WildstyleMag.com: Du warst vor kurzem beim Pre-Listening Konzert von Massiv in Berlin. Bist du ein Fan von ihm?

Kaas: Man kann schon sagen, dass ich ein Fan von Massiv bin. Er ist ein sehr sympathischer Mensch, wenn man ihn mal persönlich kennengelernt hat. Das Konzert war zum Anfang schon relativ rap-mäßg, viel Rumstehen, neue Tracks hören die keiner kennt. Aber das ist generell ein Problem bei Pre-Listening Konzerten, man kennt halt die Songs nicht (lacht). Die letzten Tracks kannten dann die Leute wieder und da wurde auch gefeiert. Vielleicht hätte er gleich am Anfang die bekannten Songs spielen sollen. Dann wären die Leute mehr abgegangen.

WildstyleMag.com: Wie fandest du "M.A.S. Techno"?

Kaas: Der hat mir nicht so gefallen. Ich muss ehrlich sagen, dass das der schwächste Song war.

WildstyleMag.com: Wie schätzt du das neue Album ein?

Kaas: Das kann ich schwer beurteilen. Der Sound war auch relativ schlecht. Ich habe Tinnitus und immer Ohrstöpsel drin. Die musste ich die ganze Zeit fest ins Ohr drücken, damit ich was verstehen konnte.

WildstyleMag.com: Was magst du an seiner Musik?

Kaas: Am Anfang fand ich seine Musik extrem gruselig: "Messer aus der Tasche / Schlägereien bis das Blut kommt." Da hatte ich Angst. Aber, ich finde Massiv hat Seele. Er ist vielleicht nicht der beste Rapper, aber er hat Soul im Blut. Vielleicht wird bei seinem dritten Album alles ein bisschen zu kommerziell und dadurch geht die Seele verloren. Ich habe das Gefühl, jetzt wird es zu mainstream.

Er hat ja auch selbst gesagt: "Massiv wird jetzt massentauglich." Mir war das Konzert am Ende ein bisschen zu poppig. "Wenn der Mond in mein Ghetto kracht" war ein geiler Track. Sein erstes Album war auch der Hammer. Ein Hit jagte den nächsten und die Videos waren unfassbar gut. Massiv war in seinen Songs immer sehr positiv. Das mochte ich an ihm so.

Innerhalb der mir fremden Ghettowelt, mit all der Straßen-Attitüden und  den Werten, denkt er positiv. In einem Song auf dem ersten Album sagt er: "Egal ob Araber, Kurde oder Deutscher. Ab jetzt zählt nur noch Freundschaft." Das gefällt mir sehr. Ich denke, er hat ein gutes Herz.