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IIIII Five Eyes – Mother Love (Finest Ego) [MC, digital]

von Slick die Ratte am 17 Mrz. 2014 in Allgemein|Stream
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Die Soundlandschaft des Ostens – man denke hier an Russland und die Ukraine, die auch eine kulturelle Vergangenheit teilen – mag zuweilen wie ihr biologisches Pendant kalt und ruppig erscheinen. Etwas störrisch und widerspenstig, aber letztlich doch faszinierend und nicht ohne Charme und Seele hinter einer rauen Fassade. Dass diese Analogie nicht gänzlich aus der Luft gegriffen scheint, zeigte sich vor einigen Jahren – zumindest für die russische Produzenten-Szene – anhand der Soundästhetik der „Russian Beatmaker Compilation“ von Finest Ego, einer Zusammenstellung nationaler Produktionen, die im Idealfall eine homogene Soundlandschaft (oder auch nur eine grundlegende Einheit in der Vielheit der Stile) als Ganzes abbilden sollte. Letztlich waren neben stark electrohaltigen Produktionen auch organische Wohlfühlproduktionen von Long Arm und Nienvox vertreten.

Der Debüt-Release des talentierten ukrainischen Produzenten IIIII aka Five Eyes erinnert nun sehr an diese gegensätzliche Fusion aus Härte und Milde, wie man sie aus der Szene des Nachbarlandes kennt.

Gegenüber den vielen flüchtigen Beat-EPs, die tagtäglich erscheinen, tritt „Mother Love“ mit 10 Nummern und guten 40 Minuten Spielzeit als vollwertiges Album auf, das digital und auf limitierter, handgemachter Kassette zu erwerben ist.

 

Höhepunkte sind schnell ausgemacht: Die Klavierklänge auf „Little Sampled Girl“ kitzeln permanent die Glieder des Hörers und sorgen für einen markanten Wiedererkennungswert. Während man bei „Cold October“ regelrecht bibbern muss und selbst hohe Pfeiftöne wie ein eiskalter Luftzug erscheinen, lädt „Far Away“ mit warmen Harmonien, gedämpften Vocal-Fetzen und neurotischen Synthies schon wieder dazu ein, sich durch rhythmisches Bewegen aufzuwärmen. Oftmals scheint man, wie z.B. bei „Mother Love“,  die kühle Anmut einer Schneelandschaft mit verhangenem Himmel  vor sich zu haben  – man denke auch an das kürzlich erschienene „Reykjavik“ von The Beep: die Melodien sind daher meist gedämpft, gebremst, fast erstickt und dumpf, aber schimmern immer wieder durch und ergeben zusammen mit schlotternden Kicks, Klicks & Klacks und aufbrausenden Electro-Klängen eine zerbrechliche und melancholische Soundwelt.

IIIII Five Eyes – Mother Love

 

Was diesen Release so großartig macht, ist – in Anknüpfung an die eingangs gezeigte Analogie – das ständige Changieren und Ineinanderverschwimmen widersprüchlicher Emotionen, von Verlorenheit, Einsamkeit, Kälte und Hoffnung, Geborgenheit und Wärme. Mal überwiegt eisiges Starren, mal bricht dieses auf und mutiert zu neuer Lebenskraft in tanzbaren Stücken. Wer so feinfühlig komplexe und tiefschürfende Klangwelten arrangiert, der darf mit Fug und Recht als Talent und spannende Neu-Entdeckung bezeichnet werden.

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