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Boshi San – „Hip Hop hat an Kraft eingebüßt“ [Interview]

von Moonwalker am 27 Mai. 2010 in Exclusive Interviews
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Aufmacherbild Boshi San

Bereits im Februar veröffentlichte Boshi San (Raggasnoda-Click | Team Makasi) sein Soloalbum „H.e.R.B. – Herzensergießungen eines funkliebenden Raggasnoda Bruders“ über das angesehene Münchener Label 58Beats. Wir sprachen mit ihm über die Grenzen seines musikalischen Horizontes, die Kraft von Hip Hop und seine persönlichen Lebensziele. 

WildstyleMag.com: Im Intro zu „H.e.R.B.“ spielst du auf das oft prophezeite Ende von Hip Hop an. Gab es in deinem Leben einmal einen Punkt, in dem Hip Hop für dich persönlich gestorben war?

Boshi San: Für mich war HipHop nie tot. Das Gute an HipHop ist ja, dass er so vielseitig interpretierbar ist, wodurch es weltweit so viele verschiedene Entwürfe gibt, auf die man ausweichen kann, wenn man in der eigenen Szene nicht fündig wird.

WildstyleMag.com: Symptomatisch für Deutschland ist, dass kommerziell erfolgreichen Künstlern von der „Szene“ der Hip Hop-Status abgesprochen wird. Darf man in Deutschland mit Hip Hop kein Geld verdienen?

Boshi San: Ich denke, das hat sich in den letzten Jahren etwas gelockert bzw. es wirkt fast so als sei HipHop im Gegenteil für viele nur noch dazu da gewesen um Geld zu verdienen. Dadurch ist ein ziemlich reduziertes Bild der Kultur entstanden, was bei vielen vielleicht den Eindruck erweckt hat, dass finanzieller Erfolg automatisch mit Verlust der Credibility zusammenfällt. Aber es gibt einige HipHop-Künstler, sei es in den USA oder auch hier, die zeigen, dass das eine das andere nicht notwendig ausschließt.

WildstyleMag.com: Vor allem musikalisch bietet dein Album mehr als straighten Rap. Würdest du zustimmen, dass dein Album einen gewissen Pop-Touch hat?

Boshi San: Das kann gut sein. Ich denke das liegt an meiner eigenen offenen Ausrichtung in Sachen Musik. Ich bin halt einfach auch ein Sänger und deshalb sind Melodien enorm wichtig für mich. Mir persönlich ist es egal ob es Pop oder Underground ist, wenn die Qualität und die Einstellung stimmt. Pop bedeutet für mich im positiven Sinne eine Sprache zu sprechen die vielen Leuten aus der Seele spricht. Natürlich gibt es auch den kapitalistischen Ansatz, wo Mucke nur noch Marktforschung ist. Das ist aber ein allgemeines Problem in unserer Gesellschaft, von dem die Musik eben auch nicht verschont bleibt.

WildstyleMag.com: Im Song „Dazwischen“ beschreibst du deinen Platz im Leben, der irgendwie zwischen den Stühlen zu sein scheint. Trägt Hip Hop seinen Teil dazu bei, dass man weder hier noch dort so richtig hineinpasst?

Boshi San: Ich glaube schon, dass HipHop zumindest in Deutschland, ein wenig an seiner Kraft eingebüßt hat, Identität und Orientierung zu bieten. Dabei ist er selbst wohl vor allem Opfer der gesellschaftlichen Verhältnisse und somit eher Symptom als Ursache. Die letzten Jahre gab es meistens nur zwei Seiten für die man sich entscheiden konnte. Entweder man war Gangster oder Student. Das ist aber absurd und verkürzt die Realität extrem, da die ganzen Zwischenbereiche ausgespart werden. Die Amis oder auch die Franzosen haben da scheinbar nicht so viele Probleme. Da ist es eher egal wo Du her kommst, solange Du ein positiver und engagierter Teil der Kultur bist.

WildstyleMag.com: Du vermittelst auf deinem Album mit Songs wie „Nein Danke“ einen sehr bodenständigen Eindruck von dir. Was sind deine Ziele für dein weiteres Leben?

Boshi San: Ich versuche in kleinen Schritten zu denken. Als erstes möchte ich nun mein Studium beenden. Als ich „Nein Danke“ schrieb, wollte ich es schon hinschmeißen, dann habe ich mir aber gedacht, dass etwas zu Ende bringen besser ist. Parallel dazu sind derzeit drei Alben in Arbeit. Einmal das nächste Album der Raggasnoda Click und mein zweites Soloalbum. Mit Team Makasi arbeiten wir auch schon an der nächsten Platte. Nach dem Studium möchte ich dann hauptsächlich Musik machen, aber auch in Verbindung mit sozialen und politischen Projekten. Ich habe zusammen mit ein paar Kollegen schon ein paar Projekte in Planung die wir in den nächsten Jahren verwirklichen wollen.

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