Dundee – “Wer bin ich, mir ein Urteil zu erlauben!”
von Mareen Wordoff am 16 Jun. 2009 in Interviews
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21/250 – Gesichter deutscher Rap-Kultur: Stillstand ist die große Furcht unserer Zeit. Wer nicht läuft, der bleibt stehen. Wer stehen bleibt, der verliert Zeit.
Wer hier zu viel Zeit verliert, verpasst dort vielleicht die Chance seines Lebens. Egal, wo wir uns heute befinden und wie schnell wir laufen – der Druck der Gesellschaft und Medien verfolgt uns. Oft wissen wir vermutlich gar nicht mehr in welche Richtung wir laufen oder ob wir uns nicht sogar verlaufen haben. Wenn man in seinem Leben an einem Punkt angekommen ist, an dem man keine Kraft mehr hat zu laufen, scheint die Lösung einfach: Stehen bleiben, tief Luft holen und welches Ziel man am Start eigentlich anpeilte.
Gerade im Musikgeschäft fragen sich seit längerer Zeit nicht nur Künstler, Produzenten oder anderweitig Musikschaffende – auch Fans beschäftigen sich mit der Zukunft der Musik. Von Stillstand kann momentan vielleicht keine Rede sein, doch das Wort Weiterentwicklung wird im gerade im deutschen Rap immer noch relativ klein geschrieben.
Ich sprach mit dem Mainzer Rapper Dundee darüber, wie ihm die Musik in seinem Leben weitergeholfen hat, aber auch warum er sich auf Rap-Musik allein nicht mehr verlassen möchte.
WildstyleMag.com: Gab es Momente in deinem Leben, in denen dir nur deine Musik weitergeholfen hat?
Dundee: Auf jeden Fall. Musik ist immer wieder Ventil für mich. Sie kommt eigentlich immer dann, wenn man sie braucht. Vor allem das Schreiben hilft unglaublich um über Dinge hinwegzukommen oder um Erlebnisse überhaupt erstmal zu verarbeiten. Es ist immer leicht von Gefühlen zu reden, aber wenn du ein Gefühl mal auf Papier bringen musst, musst du dir ganz genau überlegen, wie du es am Treffendsten formulierst und wie die Situation überhaupt aussieht. Man setzt sich dadurch überhaupt manchmal erst ernsthaft mit einem Problem oder auch etwas Positivem intensiv auseinander. Es heißt ja immer so klischeemäßig „Musik ist Therapie”, ist zwar ein scheiß abgedroschener Satz, aber im Endeffekt wahr.
WildstyleMag.com: Ist deutscher Rap für dich heute noch aufrichtig und ehrlich oder braucht Rap-Deutschland mehr Seele, mehr Gefühl, mehr Politik?
Dundee: Wer bin ich mir ein Urteil über Deutschrap und seine Entwicklung zu erlauben? Es wird schon alles richtig so sein, wie es läuft. Ich kann nur sagen, was ich vermisse und was ich gerne sehen würde. Und das ist mehr Ehrlichkeit, mehr Selbstreflexion und das Leute mir auch mal von ihren Fehlern oder Problemen erzählen. Irgendwas Intimes, denn die Prahlerei kenn ich ja schon. Das gibt mir nichts, daraus kann ich nichts lernen. Wenn du mir aber erzählst, wovor du Angst hast, was dich beschäftigt, was du unglaublich schön findest oder mit welchen Problemen du wie umgehst – das würde mich brennend interessieren. Einfach mal ein bisschen an der Oberfläche kratzen und schauen was sich darunter so befindet.
Es ist ja nicht so, dass mich Rap überhaupt nicht mehr interessiert, aber ich will mich eigentlich weiterentwickeln und nichts stehen bleiben. Stillstand bemerkt man oft ja oft gar nicht auf den ersten Blick.
WildstyleMag.com: Dundee, auf welchen Breiten- und Längengraden bewegst du dich in deinem Leben?
Dundee: Gute Frage. Jedenfalls werde ich mich in Zukunft auf anderen Breiten- und Längengraden bewegen als ich es bisher getan habe. Rap ist für mich in der Form wie ich ihn bisher gemacht habe keine Option mehr. Mein Album Nord-Süd-Ost-West Release war alles was ich immer machen und sagen wollte. Das ist jetzt raus. Jetzt muss ich mich musikalisch neu erfinden. Vielleicht mit neuem Namen, vielleicht auch nicht. Das wird sich mit der Zeit ergeben.
Ich habe im Rap die besten Zeiten meines Lebens gehabt und viele tolle Menschen kennen gelernt. Manche davon, mein Team jedenfalls, sind für mich wie Brüder geworden. Die Zeiten sind nun vorbei. Die Freunde bleiben, aber ich kann mich in der Szene so nicht mehr aufhalten, denn ich kann mich erstens damit nicht mehr damit identifizieren und habe zweitens einen zu hohen kreativen Anspruch als das ich noch einmal das Gleiche machen könnte. Ich freue mich, dass alles so gekommen ist und bin jetzt erstmal selber gespannt wohin der Weg geht.
WildstyleMag.com: Konrad Adenauer hat einmal gesagt: „Wir leben alle unter dem gleichen Himmel, aber wir haben nicht alle den gleichen Horizont.“ Das passt ja auch ganz gut zur deutschen Rap-Kultur oder?
Dundee: Ja, auf jeden Fall. Das ist wahrscheinlich auch einer der größten Beweggründe für mich jetzt zu sagen, dass Schluss ist. Ich finde den Horizont, den ich habe, zu selten in anderen Leuten wieder. Wie ich schon gesagt habe, ich kann mich damit einfach nicht mehr so identifizieren wie früher und sehe für mich einfach noch ganz andere Perspektiven an meinem Horizont.
WildstyleMag.com: Ist der Traum vom Rap-Superstar, den ja viele „Untergrund-Hustler“ gern leben möchten, heute noch realisierbar?
Dundee: Untergrund-Hustler? Ist dir das nicht unangenehm so zu reden? (lacht)
Ein Traum ist immer realisierbar. Es kommt eben am Ende nur darauf an ob du es wirklich willst. Wenn du es dir wirklich wünschst und alles dafür tust, wird es auch passieren. Ich habe mir die Frage auch gestellt und habe gemerkt, dass es zwar schön wäre, aber ich habe nie genügend für den Traum von Musik zu leben gekämpft. Dafür kämpf ich jetzt an anderen Fronten und dort wurden und werden meine Träume momentan auch wahr.
WildstyleMag.com: Viele Glück für die Zukunft!

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