Shiml – “Rap bringt auch unangenehme Dinge mit sich”
von Mareen Wordoff am 10 Mai. 2009 in Interviews
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25/250 – Gesichter deutscher Rap-Kultur: Normalerweise orientieren sich Jugendliche in Bezug auf ihre Mode, ihren Musikgeschmack, ihren gesamten Lifestyle stark an ihren Peer-Groups. Der Begriff “Peer-Group” bedeutet soviel wie “Gruppe von Gleichaltrigen” oder “Gruppe von Gleichgestellten” und kommt aus der Jugendsoziologie. Diese so genannten “Peers” übernehmen wichtige Sozialisationsfunktionen, positiver wie negativer Natur.
Der große Einfluss der Peer-Groups auf Heranwachsende erklärt sich vor allem auch durch ihre Funktion als Mittel zur Emanzipation vom Elternhaus. Dass man sich aber auch manchmal von seinem eigenen Freundeskreis emanzipieren muss, lernen sollte, seinen eigenen Weg zu gehen und welche Rolle Rap für ihn dabei spielte, erzählte Selfmade Records-Artist Shiml, als ich ihn zum Interview in Berlin-Kreuzberg traf.
Ich habe gelesen, du kommst nicht aus einem Umfeld, in dem man automatisch zum Rapfan wird. Was bedeutet es dir heute, Teil der deutschen Rapszene zu sein?
Shiml: In meinem Freundeskreis hat kaum einer Rap gehört. Ich habe ganz alleine den Spaß daran entdeckt. Ich hatte schon immer viel zu sagen, ich habe schon immer gerne gelabert und diese Musikrichtung bietet eine wunderschöne Möglichkeit, das auszuleben. Ich habe dann auch irgendwann in der Rapsszene meine Freunde gefunden, gemeinsame Interessen verbinden ja sehr, gerade wenn man jung ist.
In der Szene habe ich viel erlebt und mich weiterentwickelt, Parties gefeiert und neue Horizonte entdeckt. Das bedeutet mir auf jeden Fall viel. Man muss sagen, die Szene ist heute sehr breit gefächert und es kommen immer mehr Leute dazu, die nicht aus der ursprünglichen Rapszene stammen, sondern aus verschiedenen Richtungen dazu stoßen.
Zensierst du dich selbst in Bezug auf das, was du in deiner Musik von dir preisgibst?
Shiml: Ich lasse das einfach laufen. Mit der Zeit bin ich natürlich auch älter geworden. Als ich angefangen habe war ich 14, heute bin ich 24. Mit 14 bewegen dich natürlich ganz andere Dinge, als das heute bei mir der Fall ist. Ich habe inzwischen viel erlebt und diese Dinge sind natürlich immer ausschlaggebend dafür, was man in seine Texte packt. Früher ging es mir eher darum, Aggressionen raus zulassen, ich habe damals viel Battlerap gemacht. Heute ist es mir wichtiger, Dinge die ich selbst erlebt habe, in der Musik zu verpacken, gerade weil ich merke, dass mir immer mehr Menschen zuhören.
Du hast einmal gesagt, der Reiz darin, Raptexte zu schreiben, liegt für dich darin, Aggressionen, Frust oder andere Gefühle auf eine ganz neue Art und Weise zu verpacken…
Shiml: Ich komme aus einer Gegend in Bremen, die etwas rüder ist. Viele meiner Freunde sind damals mehr oder weniger in die kriminelle Szene abgerutscht. Ich habe damals das Glück gehabt – bewusst oder unbewusst – mich da irgendwie rauszuhalten und angefangen zu rappen. Aber ich habe natürlich dieselben Dinge erlebt, wie die Leute um mich herum, dieselbe Gewalt und so weiter. Nicht selbst, aber durch meine Freunde.
Rap ist sehr wichtig für mich, weil ich das da hineingepackt habe. Das war ein Hobby. Und viele Freunde von damals hatten so ein Hobby eben nicht, hingen herum und fingen an Scheiße zu bauen. Bei uns dagegen war das so, dass wir, wenn wir nichts zu tun hatten, uns den ganzen Tag im Keller eingebunkert und Musik gemacht haben. Das hat mir damals wirklich geholfen.
Hat sich an deinen Beweggründen Rapmusik zu machen im Laufe der Zeit etwas geändert?
Shiml: Wie gesagt war das damals ein Hobby. Ich hätte nie gedacht wie viel Arbeit da wirklich hintersteckt und wie viele Verpflichtungen das mit sich bringt. Jeder fängt ja an Musik zu machen, weil es Spaß macht – hoffe ich zumindest. Aber Rap bringt auch viele unangenehme Dinge mit sich, gerade wenn man irgendwann arbeiten muss geht viel Zeit verloren und man lernt die Freizeit umso mehr zu schätzen.
Eine Tour zum Beispiel macht wahnsinnig viel Spaß, aber das sind drei Wochen Urlaub, aus denen du zurückkommst merkst, dass du völlig gerädert bist. Irgendwann müssen sich die Beweggründe dann ändern, weil es halt nicht immer Spaß ist. Mittlerweile treibt mich natürlich auch an, bekannter zu werden, mich als Musiker weiterzuentwickeln und vor allem neue Dinge in der Musik machen.
Welche Momente markieren in deinem Leben den Zeitpunkt neue Musik zu veröffentlichen?
Shiml: Jetzt ist es zum Beispiel gerade an der Zeit. Ich habe hintereinander zwei Soloalben gemacht und wieder Texte für den Selfmade-Sampler geschrieben. Jetzt denke ich ist es Zeit, wieder etwas ganz Neues zu machen, was auch immer. Irgendwann ist auch alles gesagt, du hast die Dinge X-Mal wiederholt. Max und ich haben uns überlegt, etwas zusammen zu machen. Gerade mit ihm arbeite ich unheimlich gerne. Wir haben uns viel vorgenommen, auch sehr witzige Sachen, die man zu zweit auf jeden Fall besser umsetzen kann als alleine. Ich habe gerade ein Album veröffentlicht, klar, dass die Motivation ein bisschen weg ist und man erst mal durchatmen muss. Aber trotzdem denke ich gerade es wäre Zeit, mal wieder etwas Neues zu machen.



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