Montana Max – “Deutsche sind sehr missgünstig!”
von Mareen Wordoff am 20 Apr. 2009 in Interviews
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28/250 – Gesichter deutscher Rap-Kultur: Man sagt den Deutschen nach, sie seien fleißig und pünktlich, hätten aber keinen Humor. Deutsche trinken gern Bier, essen Bratwurst und haben geschichtlich gesehen “schwer zu tragen”. Die Spanier haben vor allem eins im Sinn: Siesta machen, bevor sie auf die Piste gehen. Ab und an können sie sehr laut sein, ansonsten futtern sie gern Paella und sind trinkfester als so mancher Deutscher. Franzosen wiederum lieben alles was man essen kann, trinken literweise Rotwein, tragen gern Baskenmützen und können vor allem eins sehr gut: ihre eigene Sprache sprechen. Ich frage mich, wer bestimmt eigentlich den Prototyp eines jeden Landes? Verändern sich diese Prototypen nicht irgendwann einmal?
Klischees und Vorurteile sind des Menschen liebstes Handwerkszeug. Manchmal könnte man meinen, dass die berühmten Schubladen eigentlich von Rapmusikern gebaut wurden, weil sie gern ihren ganzen Ballast darin verstauen und andere Menschen für ihren Scheiß verantwortlich machen. Genug Platz scheint es ja zu geben. Vielleicht ist es jetzt aber auch mal an der Zeit für Veränderung, mehr Toleranz und Respekt dem Anderen gegenüber. Denn der typische Deutsche ist ja langsam auch eine vom Aussterben bedrohte Art.
Ich traf Montana Max unmittelbar vor seinem Auftritt bei der “Mittelfinger Hoch”-Tour in Berlin, der wenige Minuten nach Konzertbeginn für viele Schlagzeilen sorgte. Wir unterhielten uns über sein Leben mit Rap-Musik, die Attitüden einiger Deutschen und die Momente im Leben, in denen man allem kraftlos gegenübersteht.
Wie viel Zeit am Tag verbringst du mit Rap-Musik?
Montana Max: Das ist schwierig zu sagen. Wenn ich in der Vorbereitung für ein Release oder eine Tour bin, dann sind es schon gut und gerne drei Stunden am Tag. Mehr gibt der Tag dann einfach nicht her, da ich ja noch zehn Stunden täglich im Büro sitze. Es gibt aber auch Tage, an denen ich mich überhaupt nicht mit Rap beschäftige, was meiner Meinung nach gesund ist, um den Kopf frei zu bekommen und sich aus der Szene zu ziehen, sich zu regenerieren und neue Eindrücke zu sammeln. Ich mag dieses Inzestverhalten nicht. Wenn man nicht nach außen schaut, lebt man nur in der einen Welt und ist immer darauf angewiesen über die gleichen Dinge zu rappen. Das interessiert mich dann nicht mehr.
Wie würdest du die deutsche HipHop-Kultur beschreiben?
Montana Max: Wenn ich die mit Amerika vergleichen sollte, müsste ich passen. Ich kenne die interne amerikanische HipHop-Kultur nicht. Aber in Deutschland finde ich es schade, wenn Leute immer so sehr auf cool machen und nicht sagen können: „Ey, das was du gemacht hast, finde ich richtig krass.“ Viele denken wohl, dass sie sich dadurch schwächer machen als sie sind. Das finde ich totalen Quatsch. Ich bin ein großer Freund davon Leuten zu sagen, wenn sie etwas Krasses gemacht haben. Am Ende des Tages beweist man damit viel mehr Eier, als wenn man es nur für sich behält, still und heimlich etwas cool findet, neidisch zuhause sitzt und sich ärgert. Aber ich muss sagen, dass die Community in Deutschland sich ein wenig wandelt.
Ist dir deutscher Rap manchmal zu eintönig?
Montana Max: Auf jeden Fall. Aber wenn mir jemand einen Song mit einem 16er, acht Takte Hook und einem geloopten Beat mit einem Standart-Drumset hinschmeißt, dann kann auch das völlig reichen. Wenn etwas geil ist, dann ist es geil. (lacht) Es gibt auf der anderen Seite dann wieder Leute, die so unglaublich kreativ und innovativ sein wollen, dass es am Ende auch wieder Scheiße wird. Sehr positive Beispiele für das Ableben der Engstirnigkeit im deutschen Rap sind zum Beispiel Tua, Marsimoto, Maeckes & Plan B und Casper. Aber auch ein Prinz Pi ist sehr innovativ. Wobei ich auch Saad, der einfach so ein Album mit 16 dreckigen Songs hingerotzt, richtig cool finde. Es muss einfach in sich passen.
Ich kann mir gut vorstellen, dass mein Leben ohne Rap um einiges entspannter sein könnte, weil ich ein extremer Kopfmensch bin und mir sehr viele Gedanken machen. Ich informiere mich auch über Alles. Ich surfe jeden Tag durch alle wichtigen HipHop-Portale und Onlinemagazine. Ich lese viel in Foren und finde es super interessant. Aber ich liebe natürlich die Musik an sich. Ohne sie würde mir auf jeden Fall ein großer Teil fehlen. Aber ganz ehrlich, ich glaube, ich könnte auch ohne.
Wie würdest du das Land beschreiben in dem du lebst?
Montana Max: Ich würde das Land Deutschland als sehr missgünstig beschreiben. Ich habe in der Vergangenheit knapp anderthalb Jahre in Amerika gelebt und dort verschiedene Erfahrungen gesammelt. Als erstes ist mit aufgefallen: Der Transferflug, der nach Deutschland geht, ist der Erste, bei dem die Leute wieder anfangen zu drängeln. Das ist ganz krass. Außerdem finde ich, dass Deutschland eine sehr ausgeprägte Neidermentalität besitzt. Wenn in Amerika jemand aus Scheiße Gold macht, dann findet man ihn dafür auf einer positiven Ebene cool und freut sich mit ihm.
Aber hier versucht man das alles nieder zu machen und denkt sich: „Ja, der Assi, der hat das Alles gar nicht verdient. Das ist total ungerechtfertigt.“ Weißt du, was ich meine? Desweiteren muss ich sagen, dass ich im Inneren sehr deutsch bin. Ich liebe Pünktlichkeit und Ordnung. Ich bin auch ein sehr zuverlässiger Mensch. Ich bin alles in allem wirklich sehr froh, dass ich hier lebe und mein Leben so leben kann, wie es mir gefällt. Ohne, dass andere Leute mich einschränken.
Gab es Situationen oder Momente in deinem Leben, in denen du dich schwach und verletzlich gefühlt hast?
Montana Max: Ja, die gab es auf jeden Fall. Ich glaube, wenn ich einen Tiefpunkt in den letzten Jahren fest machen müsste, dann könnte ich daraus eine Seifenoper machen. Ich habe mich vor zweieinhalb Jahren extrem mit meinem besten Freund wegen einem Mädchen gestritten. Es ist halt die Story, wo zwei Typen sich in das gleiche Mädchen verlieben und keiner es dem anderen sagt. Plötzlich entsteht in der ganzen Clique eine Art Gruppenbildung und jeder muss sich entscheiden, auf welcher Seite er steht, auch wenn beide das nicht wollen und nach wie vor Respekt voreinander haben.
Zeitgleich bin ich von Bremen allein in eine extrem leere Wohnung nach Köln gezogen und kannte einfach niemanden. Dazu war ich auch noch unglücklich verliebt. Auch wenn das jetzt alles ein bisschen kitschig klingt – da bin ich metal und physisch stark an meine Grenzen gestoßen. Normalerweise hat man ja, wenn man unglücklich verliebt ist, noch seinen besten Kumpel und wenn dir dann auf einmal beides genommen wird und keiner kann etwas dafür, ist das hart. Um noch mal fünf Euro ins Phrasenschwein zu werfen: Was einen nicht tötet, härtet einen ab.



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