Jonesmann – “Acht Jahre verschenkt”
von Mareen Wordoff am 16 Mrz. 2009 in Interviews
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32/250 – Gesichter deutscher Rap-Kultur: Oft frage ich mich, wie unsere Welt eigentlich funktioniert, in welchem Rhythmus sie sich bewegt und warum sie einfach nicht stehen bleibt? Warum bemerken Menschen zum Beispiel nicht, dass eigentlich viel öfters etwas Schönes passiert? Oder wieso bekommt nicht jeder Mensch auf der Welt den Platz, den er verdient?
Warum sind Menschen in ärmeren Ländern oft zufriedener mit sich selbst als wir Deutschen? Warum füllen sich Menschen an Buffets immer mehr auf als sie eigentlich essen können? Und wieso lässt sich diese Frage auf die Mentalität vieler Bevölkerungsschichten übertragen? Weshalb fühlen wir uns manchmal so rastlos? Warum sind die einfachsten Ideen meistens die Besten? Wieso fällt es uns oft so schwer, unsere Gefühle zuzugeben? Warum gehen Träume erst in Erfüllung, wenn man schon nicht mehr dran glaubt?
Es gibt eine Frage, die jeder Mensch auf der Welt sofort beantworten könnte: Die Frage nach dem, was ihn glücklich macht. Trifft man Jonesmann, merkt man schnell, es gibt nur eine Antwort.
Woher nimmt man als Musiker jahrelang die Kraft und Energie morgens da weiterzumachen, wo man abends aufgehört hat und das Tag für Tag?
Jonesmann: Erstmal muss ich sagen, dass ich das Ganze liebe. Ich mache das total gern. Weißt du, was ich meine? Ich mache seit 15 Jahren Musik und ich lebe dafür. Für mich ist Musik einfach wie eine Therapie. Wenn mich mein Kopf fickt, dann setze ich mich hin, schreibe es auf und danach geht es mir wieder besser. Und das mache ich, wie gesagt, schon 15 Jahre so. Die andere Seite ist: Oft habe ich auch einen Abtörn gehabt und mir gedacht, ich mach das nur noch als Hobby oder so. Aber was mache ich dann? Was kommt nach der Musik?
Es gab auch schon Punkte, an denen ich mir gedacht habe, jetzt mache ich Schluss mit dem ganzen Scheiß, als mich bspw. das Business abgetörnt hat oder ich gedacht hatte, mit der Platte bekomme ich ein bisschen mehr Aufmerksamkeit. Oder als ich mit meiner Situation bei Bozz Music unzufrieden war. Ich meine, ich liebe das ganze Business. Ich könnte nie aufhören und wie ein normaler Chab im Keller einfach nur Musik machen. Das auf keinen Fall. Musik machen ist zu dick.
Wem gibst du die Schuld für den Struggle im HipHop-Business? Den Kids, die illegal Musik downloaden oder den Medien, die HipHop einfach nicht unterstützen wollen?
Jonesmann: Eigentlich beiden. Das mit dem Internet und dem illegalen Downloads fickt uns von einer Seite jedenfalls überkrass. Teilweise finde ich das natürlich auch hart, wie die Medien mit Rap umgehen. Ich meine, du machst einen guten Rap- oder R&B Song. Ich bin ja auch R&B Künstler. Und dann schickst du denen einen Song auch ohne “Ficki-Ficki” und “Bumsi-Bumsi” Gelaber und die hören sich das noch nicht mal an. Die geben einem halt keine Chance. Wenn man sich da mal andere Länder anguckt, wie zum Beispiel Frankreich, da sieht das schon anders aus. Die müssen irgendwie 60% französische Musik im Radio spielen. Da gibt es eine Quote. Es ist schwierig hier in Deutschland da rein zu kommen.
Ich habe schon ein paar Songs gehabt, bei denen ich mir dachte oder sogar sicher war, dass viel mehr passieren wird. Aber die Medien haben keinen Bock sich mit deutschem Rap oder R&B abzugeben. Ich bin ein Künstler, ich kann auf jeden Fall viel erreichen mit dem wie ich rappe, singe und tanze. Ich habe auch krass daran gearbeitet Erfolg zu haben und ich arbeite immer noch daran. Natürlich hoffe ich, dass ich eines Tages dann das ernte, was ich verdient habe. Und das ist eindeutig ein bisschen Anerkennung und auch Geld. (lacht)
Gibt es Momente in deinem Leben, die du heute bereust?
Jonesmann: Auf jeden Fall. Ich habe 7 oder 8 Jahre extrem viel Haschisch geraucht. Da habe ich eine Menge Zeit vergeudet. In der Zeit bin ich echt nur im Jugendhaus abgehangen. Natürlich habe ich auch da schon Musik gemacht, aber im Großen und Ganzen habe ich die Zeit einfach nur weggeschmissen. Ich hätte viel mehr machen können. Aber die Zeit holt man ja jetzt wieder rein, durch eine Nase Speed. (lacht) Nee, Scherz.
Hattest du damals keine Perspektiven? Wovon hast du dich ernährt?
Jonesmann: Ja, keine Ahnung was man da denkt. Man hängt halt nur ab und macht bisschen Musik. Chillt mal hier, mal da. Das passiert einfach so. Und wovon habe ich mich ernährt? (lacht) Das kann ich ja hier leider nicht so sagen. Wovon Kiffer halt so leben: Cornflakes, Sandwiches, Kinderschokolade. Geil, halt.
Viele deutsche Rap-Künstler sind ja neuerdings neben der Musik noch in anderen Sparten tätig: Modelabel gründen, bei Reality Soaps mitspielen, Bestseller schreiben lassen und so weiter. Wie siehst bei dir aus?
Jonesmann: Ach ja, Fler hat ja grad sein eigenes Modellabel gegründet. Psalm 23 oder sowas, ne? Ach bei mir sieht das nicht so aus. Keine Ahnung, ich habe musikmäßig noch krass viel vor. Man kann nicht fünf Sachen auf einmal machen. Ich kümmere mich lieber um meine Musik und versuche mich ständig weiterzuentwickeln. Was danach kommt, keine Ahnung. Vielleicht schreibe ich auch mal ein Buch. Aber nicht eins, wo es nur um Rap geht. Sondern auch um mein Leben.
Nicht nur ein paar Reime schreiben, sondern auch den Leuten erzählen, wo ich herkomme, wo meine Eltern herkommen. Das ist sicher alles sehr interessant, sicher bei vielen Menschen. Ich meine, als Rapper schreibst du ja oft auch Geschichten aus deinem Leben und sie interessieren viele Menschen.
Könntest du dir vorstellen, dich in Deutschland politisch zu engagieren?
Jonesmann: Ja, sicher. Letztes Mal war in Frankfurt ein Konzert mit Rappern gegen Roland Koch. Ich wollte eigentlich mitmachen, konnte aber aus Zeitgründen nicht. Bei der Bundestagswahl wäre das schon was anderes. Da würde ich nicht mitziehen.
Olli Banjo (sitzt mit in der Runde) zu Jonesmann: Sag mal, hast du schon mal gewählt, Alter? Ich habe noch nie gewählt. Es gibt keine Partei, die hundertprozentig das widerspiegelt, was ich denke.
Jonesmann: So geht es mir auch. Ich krieg auch immer den Schein, wenn Wahlen sind. Aber ich gehe nie. Vielleicht sollte ich das tun. Meine Mutter sagt ja auch immer, wenn du nicht wählen gehst, dann verschenkst du deine Stimme. Aber am Ende denke ich mir, was verändere ich dadurch. Ich weiß es nicht. Lass mal eine Jonesmann/Banjo Partei gründen. (lacht)


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