Sera Finale – “Schau nicht nach hinten!”
von Mareen Wordoff am 02 Feb. 2009 in Interviews
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38/250 – Gesichter deutscher Rap-Kultur: Kommunikation im Web, Networking und Socialising 2.0: Begriffe die wir alle kennen, Dinge die wir heute wie selbstverständlich tun. Natürlich ist auch das schon länger bei den Rap-Heads angekommen und so findet man bei genauem Hinschauen viele Künstler unter ihrem Namen nicht mehr nur auf MySpace, sondern auch auf studi.vz, Facebook, Twitter und Co. Ob diese auch tatsächlich hinter den Profilen stecken, weiß dann aber irgendwie doch keiner so genau.
Dass auch der Journalismus durch diese Art der Kommunikation neue Wege geht, passt dem Einen vielleicht weniger, dem Anderen schmeckt die Suppe aus Bequemheit, Schnelligkeit und Aktualität sehr wohl. So kam es eines späten Abends dazu, dass Sera und ich einfach viel zu faul waren unsere Ärsche in die Kälte zu bewegen und per Skype drauf lostippten.
Start: 01:03
Hey Sera, wie sieht ein perfekter Tag für dich aus?
Sera: Das ist ganz einfach: Von meiner Tochter geweckt zu werden, was Gutes zu frühstücken, einen Kaffee zu trinken und danach eine Kippe zu smoken, den Briefkasten aufmachen und zu sehen, das keine Post drin ist. Danach fahre ich meistens zu Djorkaeff oder Beatzarre ins Studio und nehme ein, zwei Hits auf, um diese auf der Heimfahrt schon nicht mehr zu feiern. Das kommt aber zum Glück nicht mehr so oft vor wie früher. Zuhause gibt’s dann erstmal was Ordentliches zu essen und dann mach ich wieder Mucke oder bearbeite ein paar Grafiken. Manchmal auch beides zusammen.
Über den Tag verteilt bekomme ich dann ein paar Anrufe, die meistens so beginnen: “Ey Sera, hat’s geklappt?” oder “Sera, gib’ mir mal deine Bankverbindung.” Umgeben bin ich dabei von wunderschönen Menschen und vielen schwarzen Zahlen. Den Abend verbringe ich super gern mit meiner Familie. Die Familie ist das wichtigste was ein Mensch besitzt, darüber sollte sich jeder von euch da draußen bewusst sein. Nachts arbeite ich dann meist noch mal kurz, lese ein paar Seiten bis ich dabei einpenne oder schreibe mit Journalisten über Skype. (lacht)
Billy Idol hat einmal gesagt: “Das Leben ist eine Reise. Nimm nicht zu viel Gepäck mit.” Was geht dir bei diesem Satz durch den Kopf?
Sera: Irgendwie hat er Recht, aber ich kann mich leider viel zu selten von überflüssigem Schrott trennen. Oftmals schaue ich zu sehr nach hinten, auf das was alles geschehen ist, aber nicht auf das, was noch kommen könnte. Aber ich arbeite dran. Das Leben ist ja eine ständige Weiterentwicklung. Sag mal, was Billy Idol nicht ein Messi?
Ich habe keine Ahnung, wäre eine Recherche wert. Wie fühlt es sich an vor einem leeren Blatt Papier zu sitzen und seine Gedanken einfach fließen zu lassen?
Sera: Wie nach 5 Stunden ohne Klo endlich pissen zu können. Genau so! Punkt!
Ich habe gelesen, dass du Gedichte schreibst. Worum geht darin und wer bekommt die zu lesen?
Sera: Also, die Gedichte sind auf jeden Fall erstmal nur für mich. Ich bin der Meinung, man muss nicht jeden Quatsch auf die Menschheit loslassen. Aber ich bin momentan am überlegen, ob ich sie irgendwann mal veröffentliche. Kein Plan, wie die Leute drauf reagieren würden. Thematisch geht’s dabei quer durch die Bank, schwer zu beschreiben. Ich schreibe aber auch Kurzgeschichten. Zwei davon wurden gerade in der Berlin Special Issue im “STYLE MAG” abgedruckt. Falls es jemanden interessiert: www.stylemag.net.
Was denkst du, unterscheidet die Menschen die HipHop lieben in ihrer Persönlichkeit, von denen, die mit dieser Musik absolut nichts anfangen können?
Sera: Der Battle-Charakter. Sich mit anderen messen wollen, eine Kämpfernatur sein. Sonst wohl nicht wirklich viel. Wenn ich jetzt sagen würde, dass sie ehrlich, aufrichtig und zuvorkommend sind, dann wäre das glatt gelogen. Im Endeffekt ist es egal ob du HipHop liebst oder irgendeinen anderen Scheiß. Hauptsache die Menschen glauben an etwas. Der Eine vielleicht ein bisschen mehr, der Andere eben weniger.
0,1 Prozent sagen wo es langgeht, 99,9 Prozent laufen hinterher. So war es schon immer und so wird es bleiben. Punkt. Das ist bei HipHop genauso wie bei allen anderen Bewegungen auch. Wobei ich mir manchmal schon wünschen würde, dass es im Rap genau so elitär zugehen würde wie beim Written und nicht jeder Horst in den Club kommt.
Danke Sera! Gute Nacht!
Ende: 2:23


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