Laas Unltd. – “Rap ist meine Liebe!”
von Mareen Wordoff am 23 Feb. 2009 in Interviews
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35/250 – Gesichter deutscher Rap-Kultur: Eine Arbeitsbiene wiegt im Durchschnitt 0,1g, hat eine Lebensdauer von einigen Wochen und dürfte aufgrund ihres Gewichtes, ihrer Aerodynamik und Flügelfläche nach den Gesetzen der Physik gar nicht fliegen. Doch trotzdem sie tut es und das mit stolzen 25km die Stunden.
Träume zu haben ist etwas Wundervolles. Man fühlt sich gut mit ihnen an seiner Seite, denn sie bedeuten Lust auf Mehr, Fortschritt und Leben. Vieler unserer Träume wirken vielleicht auf den einen oder anderen Menschen unrealistisch, nichts weiter als Hirngespinst gemixt mit zu viel Phantasie. Deshalb lohnt es sich durchaus für jeden einzelnen zu kämpfen. Und warum können Bienen nun eigentlich fliegen? Ganz einfach, sie interessieren sich einfach nicht für unsere Gesetze.
Wieviele Facetten trägst du in dir?
Laas: Jeder Mensch hat ja im Laufe seines Lebens verschiedene Rollen in die er schlüpft. Wenn ich zum Beispiel auf Arbeit bin und mit Eltern über ihre Kinder rede, kann ich ja schlecht mit ihnen so sprechen wie abends mit meinen Jungs, wenn wir über meine Songs philosophieren. Da spricht man dann schon mal eine andere Sprache. (lacht) Nichtsdestotrotz bin ich aber immer der Laas, der ich bin. Von daher verstelle ich mich niemals. Ich schaue halt nur, wie ich mich sprachlich ausdrücke und weiß natürlich auch, wie ich mich in gewissen Situationen zu benehmen habe.
Wenn ich zum Beispiel auf die Bühne gehe, dann weiß ich, dass ich dort eine Show abliefern muss. Da bin ich dann nicht der Typ der im Supermarkt steht und überlegt “Kauf ich jetzt die Bio-Milch oder doch lieber die Günstigere?”. (lacht) Auf der Bühne mache ich dann schon einen auf oberdick, damit die Leute sehen was ich drauf habe und denken “Boah! Das ist ein krasser Rapper!”. Bei meinen Freunden mache ich ganz klar keinen auf Dicken. Das habe ich nicht nötig.
Was geht dir, die letzten 60 Sekunden bevor du auf die Bühne gehst, durch den Kopf?
Laas: Das ist total unterschiedlich. Als erstes geht man im Kopf durch was man alles machen will, denkt kurz an seine Texte. Bei mir ist das bei den letzten Auftritten immer so gewesen, dass ich hinter der Bühne stand und wusste: “OK, das ist wirklich das was du immer machen wolltest. Geh raus uns zeig es allen. Jetzt ist deine Chance. Zieh das jetzt einfach durch und vielleicht kannst du eines Tages davon leben und deine Miete bezahlen.”
Ich möchte einfach jeden überzeugen, der da vorne im Publikum steht, denn schließlich ist das mein Job. Auch wenn viele Leute das nicht denken, aber Musik machen und auf der Bühne performen ist ein Job. Das was man am Anfang ausschließlich aus Leidenschaft macht, wird später viel Business-lastiger. Je mehr die Leute da draußen von einem mitbekommen, je mehr Verantwortung übernimmt man.
Da gibt’s dann Aufgaben wie Promo, Release-Daten die einzuhalten sind und so weiter. Aber am Ende ist für mich das wichtigste die Musik – weil ich sie liebe. Rap ist meine Liebe. (lacht) Wenn Rap nur einen Job wäre, dann könnte man gar nicht so geilen Stuff schreiben und produzieren. Das kommt halt aus dem Herzen.
In einer Welt, wo quasi eine Krise die nächste jagt, denkt man da manchmal nicht: Hätte ich mal was Vernünftiges gelernt, dann hätte ich eine Absicherung im Leben?
Laas: Ich versuche auf jeden Fall alles daran zu setzten, dass es diese Absicherung vorerst gibt. Fakt ist, dass am Ende des Monats alle Rechnungen bezahlt werden müssen und solange das allein mit Musik nicht finanzierbar ist, muss man versuchen sein Leben anders zu regeln. Man muss versuchen Verantwortung zu übernehmen das fängt jenseits der Rap-Karriere an. Denn wenn man später mal seinen Terminkalender als Musiker managen möchte, muss man das auch im normalen Leben können.
Und dazu gehört für mich einfach pünktlich seine Rechnungen zu zahlen und Geld zu haben um sich versorgen zu können. Es bringt ja nichts wie ein Penner abzuhängen und den Kopf in den Wolken zu haben. Produktiver wird man musiktechnisch auf jeden Fall dann auch nicht mehr als wenn man ein paar Stunden arbeiten geht, nach haus kommt und sich hinsetzt und ein paar Texte schreibt. Nach dem Arbeiten hat man den Kopf wenigstens frei. Ich muss ganz ehrlich sagen, durch die ganzen Jobs die ich schon gemacht habe, jetzt als Erzieher, davor im Call-Center und davor viele andere kleine Jobs, habe ich unglaublich viel gelernt.
Man eignet sich gewisse Kompetenzen an und macht Erfahrungen die man später im Leben sehr gut gebrauchen kann. Und mal ganz davon abgesehen, dass man dadurch natürlich auch Geld verdient, geht es auch darum Verantwortung zu tragen. Wenn man es nicht schafft pünktlich auf Arbeit zu sein, dann schafft man es auch nicht pünktlich im Studio zu sein. Und der Typ, der im Studio hockt und auf dich wartet, der hat sicher auch nicht die Zeit der Welt. Er will ja auch nur seinen Job machen.
Viele andere Rap-Künstler haben auch noch ein zweites Standbein um ihr Leben zu finanzieren. Glaubst du, dass es heutzutage noch realistisch ist, aus dem “normalen Leben” auszubrechen und sich ausschließlich der Rap-Musik zu widmen?
Laas: Für mich ist das schon realistisch. Ich weiß, dass ich mein Geld in erster Linie durch Live-Auftritte verdienen kann. Da muss man aber natürlich auch schauen, wie sich das entwickelt. Und dadurch, dass ich jetzt momentan einen Job habe und mich stundenmäßig runterstufen lassen kann, kann man versuchen, Step-by-Step in diese Richtung zu gehen. Und ehrlich gesagt, ist das auch so ein bisschen ein Traum von mir seitdem ich angefangen habe Musik zu machen. Und natürlich ist es irgendwie auch ein Traum, eines Tages nach dem aufstehen nur noch Musik zu machen und komplett darauf zu konzentrieren.
Träume sind ja da um sie zu leben.
Laas: Genau und dieser Traum treibt mich die letzten 10 Jahre an, das zu tun was ich jetzt mache. Deshalb drehen wir momentan auch völlig durch: Machen ein Video nach dem anderen, nehmen ein Song nach dem anderen auf. Dafür braucht man Energie und dafür braucht man einen Traum, den es sich lohnt zu leben.
Als ich das erste Mal mit Savas telefoniert habe, da habe ich mir gedacht: “Oh krass jetzt hat mich Savas angerufen.” Das ist ein krasses Gefühl und man fühlt sich total geehrt. Aber ich muss auch sagen als ich das erste Mal bei ihm im Studio war und wir uns kennen gelernt haben, hatte ich nicht das Gefühl das er jetzt der Oberstar ist. Man hängt da halt total normal zusammen ab und hat eine gute Zeit und vergisst auch schnell, dass man da jetzt mit Kool Savas abhängt. Es ist genauso als wenn man mit Freunden abhängt.
Man spricht ja auch nicht nur die ganze Zeit von Musik, sondern auch über ganz alltägliche Sachen. Ich meine, wir sind ja auch jetzt nicht so krass befreundet. Man sieht sich, chillt und macht ein paar Tracks zusammen. Aber am Anfang war es schon der Oberflash. Ich muss auch dazu sagen, dass ich schon immer der totale Savas Fan war und es heute immer noch bin. Aber das ist nicht nur bei Savas so. Das ist eigentlich bei allen Kollegen mit denen ich ins Studio gehe so. Ich achte immer darauf, dass mir ihre Musik gefällt.
Wie sieht für dich 2009 Rap aus? Gibt es deiner Meinung nach einen Trend?
Laas: Trends setzte ich grundsätzlich nur musikalisch, die kann ich nicht beschreiben. Ich weiß aber aus sehr verlässlichen Quellen, dass Franky Kubrick eine sehr geiles neues Album an den Start bringen wird. Der macht mit Jifusi gerade ein neues Mixtape. Jifusi ist auf jeden Fall auch ein Rapper, den man 2009 im Auge behalten sollte. Dann kommt ja auch Kaas mit seinem neuen Album. Das wird auch ganz anders als das, was man bisher gehört hat. Savas hat jetzt auch noch diese neue “Brainwash” EP. Ich denke aber auch, dass die Leute noch gut lange auf dieses Techno-Ding klar kommen müssen. Ich glaube es geht jetzt darum, dass Rapper am Start sind, die den Respekt und Style der Leute mitbringen – so dass die Leute zu hause sitzen können, die Musik hören und komplett geflasht sind.
Rap braucht also kein Abitur mehr?
Laas: Das würde ich jetzt nicht so sagen. Rap kann alles sein, ob kindlich oder erwachsen. Ob Abitur oder nicht spielt keine Rolle. Es geht einfach nur darum, ob jemand dope oder nicht dope ist. Man sieht es ja immer wieder, es gibt so viele Zwischendinger von Rap-Musik. Ob das jetzt alles komplett geil ist, sei dahin gestellt, aber ich denke es kann auf jeden Fall aus jeder Sparte jemanden geben, der dope genug ist diese zu repräsentieren. Ich würde mir wünschen, dass es viel mehr Zusammenarbeit innerhalb dieser verschiedenen Sparten gäbe. Ob nun Straßenrap, Backpackrap oder Biorap. Diese ganzen Grenzen existieren doch nur in den Köpfen der Hörer. Die Künstler haben alle denselben Vibe, denn alle machen Rap.
Weiterhin viel Glück!


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